Holly Loose:
Eiszeitreise

Illustrationen von Marion Alexa Müller
Berlin: Periplaneta 2008
www.periplaneta.com

ISBN 978-3-940767-14-1
120 Seiten * 9,99 € * ab 06 Jahre

 

 

 

 

„Wenn man … klein ist, muss man sich stets und ständig behaupten“ gesteht die kleine Mücke ihrem neuen Freund, dem Mammut Erwin. Die Geschichte im kleinen quadratischen Buch wechselt mehrfach zwischen der Rahmen- und der Titelgeschichte, zwischen dem Grundschulkind Tim und der Mücke Georg, zwischen der Ausgrabung und der Fantasie.

Aus dem Elefanten keine Mücke machen

Tim heißt der Junge, so wie sein Großvater in der Schweiz. Tim Maler, um genau zu sein, also auch fast wie eine andere Figur der Kinderliteratur. Genauso ernst ist er, hat keine Freunde in seinem Alter, lebt also schon in jungen Jahren eher zurückgezogen – wie auch sein Opa. Die Anwesenheit der Paläontologen in der Nähe, die offensichtlich Spuren der Eiszeit fanden und nun sichern wollen, wird eher geduldet. Sie stören nicht sehr. Man hätte sich auch über die Abwechslung freuen können. Dennoch nimmt der Großvater insgeheim Teil an der Ausgrabung und zieht auch seinen Enkel mit hinein. Dabei hilft ihm ein warmer Glühwein in der kalten Jahreszeit, mehr aber noch seine Fantasie: Er erfindet eine Geschichte um zwei ungleiche Personen um eine Mücke und einen Mammut. Die Kleine hat den Auftrag, eine Gegend zu finden, die lebenswürdiger ist für Mücken, als die derzeitige. Warm aber nicht heiß, feucht aber nicht nass. Ein „Maler“ darf auch mitspielen.

Das Buch, man müsste es ob seiner kleinen Größe eigentlich „Büchlein“ nennen, ein echtes „Taschen“buch eben, verwebt zwei Zeitebenen miteinander, die Ähnliches zum Thema haben. Kleine werden oft übersehen – so urteilen wir von außen. Wie aber empfinden die Kleinen – von innen? Die Großen werden aber auch nicht vergessen – und auch nicht, warum sie auf die Kleinen doch mehr oder weniger angewiesen sind.

Der Geschichte liegen selbstverständlich Recherchen zugrunde, einige Hinweise im Buch zeugen davon (Wissenswertes über Mammuts). Die Hinweise zum Autor verweisen auf einen Musiker, Sänger und Texter, die vielen nicht-farbigen, ganzseitigen Bilder sind von der Verlagsinhaberin beigesteuert. Ihr gelingt der Spagat von Minimalismus und Illustration des Textes, von Darstellung und Weitererzählung.

Zwei Zielgruppen werden erreicht: Kinder, die sich (wirklich oder eingebildet) als Außenseiter empfinden – und zugleich Kinder, die sich um Dinge kümmern, die längst Geschichte sind. Oft sind es die gleichen Personen.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en