S. Bariş Tulgan:
Alis wunderbarer Weg
Ali’nin gizemli yolu

ein zweisprachiges Bilderbuch (türkisch – deutsch)

Köln: Önel 2008

www.oenel.com

ISBN 978-3-939372-11-0
34 Seiten * 13,80 € * ab 06 Jahre

 

 

 

 

Ein auffälliges sattes Grün, ein Kind mit großem Kopf und eben solchen Augen – das Titelbild ist auch ohne Text sehr auffällig. Es handelt sich um Ali, der so gern gut in der Schule sein möchte, es aber offensichtlich nicht ist. In solchen Fällen wird gern eine Instanz ins Spiel gebracht, die außerhalb ist. Ali bittet also Gott um Hilfe.

Wer hilft mir, wenn nicht Gott?

Die zweisprachige Version ist nur einen Euro teurer – aber das ist sie auch wert: Hochglanz zu Beginn, die Bilder je mit einem gestalteten Rahmen umgeben, der an Haremfenster erinnert: durchbrochen gestaltet, damit Schatten und Licht zugleich ins Haus kommen, aber auch fremde Blicke abhält.

Ali will mit Gott sprechen. Sein Großvater, der ihm immer Geschichten vor dem Einschlafen vorliest, nimmt ihn mit in die Moschee. Ali gefällt es dort, aber Gott findet er nicht, und sein Problem, das er (noch) nicht nennt, bleibt ungelöst. Auch im wunderschönen Kräutergarten seiner Schwester findet Ali Gott nicht, auch nicht im Bauch seiner Mutter, den sie ihm als Ort anbietet, dem Bauch nämlich, der all die süßen kleinen Kinder hervorbrachte. Der Vater ist Astronom, und die Unendlichkeit des Alls beeindruckt Ali, aber Gott sieht er auch hier nicht. Erst als die Musik der Ney (Anmerkung: Flöte) ins Spiel kommt und der Tanz, wird auch Ali klar, dass Gott nicht „irgendwo“ ist, sondern in ihm selbst – und damit auch in allen anderen Dingen. Durch diesen Glauben an sich selbst werden seine Schulleistungen – hier wird die Geschichte etwas „pädagogisch“ – immer besser.

Die Botschaft ist vielfältig. Es ist wichtig, gut Schulleistungen zu zeigen. Die Suche nach Gott hilft dir dabei, ebenso deine Familie, die natürlich je nach Person ihre eigene Sicht einbringt. Letztlich musst du selbst suchen und finden. Und wenn „Lernen“ dein Ziel ist, dann musst du dich selbst (gefälligst) auch selbst mit einbringen.

Der Sinn der Hochglanz-Bilder der Buchdeckel-Innenseite ist unklar, die folgenden Bilder sind „exotisch“, mit o. g. Rahmen, durchsichtig und dennoch verborgen. Genau in dieser Grauzone leben wohl nicht nur türkische Kinder in Deutschland, sondern auch deutsche Kinder in Deutschland, auch wenn sie ehemals türkische Eltern haben. Diese Mischung ist es, die dem Buch eine weitere Bedeutung gibt, die „beiden Seiten“ Einblicke gibt in die je andere.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en