Karin Babbe:
Der Kuss des Elefanten – Fil’in öpücü
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ein deutsch-türkisches Bilderbuch, Illustrationen von Babette Ponndorf
übersetzt von Dr. M.Suha I
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Köln: Önel 2006

www.oenel.com

ISBN 3-933348-40-4
36 Seiten * 6,80 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Ein mutiger erster Satz: „Dann schloss er die Augen …“ und eine Geschichte, die mit einem Kalifen beginnt und mit den Arbeitsweltniederungen für einen türkischen arbeitslosen Vater endet. Fast, denn dazwischen schiebt sich sein Sohn und der Glaube an die alte Geschichte des weißen Elefanten.

Vielleicht hilft’s ja doch

Eine Geschichte, die deutsche Kinder gleich in eine fremde Welt wirft, die aber doch so offensichtlich die Welt einiger ihrer Klassenkameraden ist. Die Vorgeschichte nimmt fast die Hälfte des Buches ein (die des sterbenden Kalifen und seines weißen Elefanten, den er hinausschickt(e) in die Welt), um den Boden für eine leider fast alltägliche Situation zu bereiten. Vater wird arbeitslos, sieben Kinder und seine Frau stehen mit ihm fast vor dem Nichts. Kerem ist eins der Kinder. Er geht in die erste Klasse und erfährt über seine Lehrerin (Frau Hinze) vom Kalifen und seinem unsichtbaren weißen Elefanten Albarif. Kerem glaubt zwar nicht so recht an die alte Geschichte, aber es kann ja nichts schaden

In der Tat wendet sich das Schicksal zum Guten – ob es durch den Kuss des Elefanten geschah oder durch Zufall, wird offen gelassen. Es könnte ja doch der alte Glaube gewesen sein, man weiß es nicht, und es soll wohl auch dabei bleiben.

 

Der Text ist auf der linken Seite abgedruckt, deutlich getrennt der deutsche (oben) von dem türkischen, der zumeist weniger Platz beansprucht. Rechts die ganzseitigen Bilder, Gouachen, meist viel Wasser in den Farben, viele Blautöne mit deutlich rötlich gehaltenem rotem Rand. Leider entscheidet sich Babette Ponndorff nicht, in welchem Stil sie die Bilder gestalten will. So kommt eine Mischung aus Realität und Aquarell heraus, wechselt sich ein mutiges Stadtbild ab mit einem Bild, dass einen verletzten Fußballspieler zeigt, der deutlich viel älter ist als Kerem und einem Rauminnenbild ohne jede Perspektive – aber auch nicht „naiv“ gestaltet – fast eine Schülerarbeit. Das ist sehr schade, denn die Botschaft, die Aufbereitung in die beiden Welten, die sich doch – irgendwie – finden müssen, ist sehr zu loben.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en