Jørn Riel & Christel Espié:
Im Land der Inuit – Die gefürchteten Brüder

Aus dem Französischen von Rosemarie Griebel-Kruip

Düsseldorf: Sauerländer bei Patmos 2008

www.patmos.de

ISBN 978-3-7941-6129-4
84 Seiten * 14,90 € * ab 10 J

 

 

 

 

Spannendes Abenteuer aus dem Grönland, als Isländer dort Kolonien gründeten. Der Junge Leiv und seine Inuit Freunde Apuluk und Narua müssen miterleben, dass die beiden „gefürchteten“ Brüder Rane und Grimur mit ihren Männern brutale Raubzüge unternehmen. Ihr Unwesen muss gestoppt werden.

Wikinger, Isländer, Inuit

Auch im Band zwei, der ohne Vorkenntnisse des ersten verständlich und spannend ist, leben wir mit dem isländischen Jungen Leiv. Die Tage in der Siedlung Thorsteins sind friedlich und von den notwendigen Arbeiten geprägt, die für das Überleben im Winter wichtig sind. Niemand versucht, seine Religion den anderen aufzuzwingen, die ersten Christen leben neben dem Glauben an die isländischen Göttern oder an die Naturreligion der Inuit, der „Menschen“, wie sich die Ureinwohner Grönland selbst nennen.
Die Idylle wird unterbrochen durch den Besuch von Grimur und Rane und ihren wilden Männern, der in einem Konflikt auf Leben und Tod endet. Großmütig lässt Thorstein die verbrecherischen Brüder abziehen, die gedemütigt und auf Rache sinnend die kleine Kolonie verlassen. Als sie später zurückkehren und das schutzlose Anwesen ausrauben und niederbrennen sowie die Frauen und Alten ermorden, wissen Leiv und seine Inuit-Freunde, dass es keinen Frieden geben kann, solange diese beiden ihr Unwesen treiben.

 

Neben der spannenden Erzählung wird viel Wissen über die Geschichte transportiert, ohne dabei aufdringlich zu sein. Wir erfahren, wie die Inuit weiter ins Innere des Landes ziehen, um den Konflikten mit den isländischen Besetzern zu entgehen. Beide haben völlig unterschiedliche Auffassungen des Lebens, die Missionierung durch die Christen beginnt, sich in dies Feld einzumischen. Aber nicht alle sind über einen Kamm zu scheren, Isländer sind nicht Isländer, alle sind Menschen, die einen so, die anderen anders. Man muss unterscheiden und man muss auch Stellung beziehen. Nicht immer können sich die Einheimischen vor den Neuen zurückziehen. Die tiefe Freundschaft, ja Liebe zwischen Leiv und den beiden Inuit-Kindern schafft die Brücke zwischen den Kulturen.

 

Der große und durch die Zeilenabstände lesefreundliche Text mit den kurzen Absätzen ist spannend und auch für Kinder zu bewältigen, die sich sonst nicht an längere Texte wagen. Gleichzeitig helfen die ganz-, einige Male sogar doppelseitigen Bilder, die die wilden Wikinger und ihre Schiffe lebendig werden lassen, aber auch die friedliche Ruhe auf einer grünen Wiese oder die Webarbeit in einem kahlen Lehmraum. Dabei schafft der Lichteinsatz in den Bildern sowohl Dramatik als auch Fremdheit und Staunen. Hier fast blaue Eisblöcke, dort fröhliche Menschen in der Sauna, hier Schlachtengetümmel, dort ein roter Sonnenuntergang, der Himmel und Wasser wie Feuer funkeln lässt.
Kleine, sepiafarbene Skizzen leiten alle elf Kapitel ein, weitere kleine Bilder gliedern zusätzlich den Text. Und auch, wenn es sich deutlich um ein Textbuch handelt, sind die Bilder dennoch so präsent, dass wir es auch als „Bilderbuch“ verstehen können, aus dem Kinder das Vorgelesene selbstständig für sich wiederholen können.

 

Mehr desselben!

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en