Hans Christian Andersen & Quentin Gréban:
Die kleine Meerjungfrau

Zürich: Nord-Süd 2008

www.nord-sued.com

ISBN 978-3-314-01643-1
28 Seiten * 12,95 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Diese UNBEDINGTE Liebe! Sie kennt ihn doch gar nicht richtig, den Prinzen, weiß lediglich um seine Gestalt, die sie aus der Seenot rettet. Dennoch aber ist die Meerjungfrau, die nicht einmal einen Namen hat, bereit, ihr Dasein zu opfern für die Möglichkeit einer Liebe. Wie viel weniger ist möglich? Und wie tragisch endet diese Geschichte, der wir so gern ein glückliches Ende wünschten.

Passen nicht zusammen

Die kleine Meerjungfrau möchte so gern so sein, wie ihre älteren Geschwister, aber alles braucht seine Zeit. Als ihre kommt, rettet sie einen jungen Mann vor dem sicheren Tod des Ertrinkens, verliebt sich dabei unsterblich in ihn und gerät in einen Strudel der eigenen Sehnsüchte, die letztlich in einer Katastrophe für sie enden. Das ist unbefriedigend für uns, die wir ein glückliches Ende erwarten.

Grában unterstützt unseren Wunsch, wie die Geschichte enden möge. Seine Aquarelle, in denen die Gesichter der Figuren sich ein wenig an japanische Mangas anlehnen, lassen zunächst gar nicht an das Ende der Geschichte denken. Er rückt den Ort der Handlung zunächst in die Nähe der Antarktis (Pinguine), dann aber nach in China (Japan?) an, zeigt eine imposante große Dschunke und kaiserliches Rot, zitiert Hokusais „Die große Welle vor Kanagawa“. Sein Prinz hat einen ebenso langen schwarzen Zopf, wie es die Haare unserer Prinzessin sind. Aber er überrascht uns auch, indem er die Hexe zunächst in Verbindung bringt mit einem großen Oktopus, nur um uns im nächsten Moment zu zeigen, wie klein und in Wirklichkeit selbst schutzlos diese Hexe ist. Da müsste man entgegen steuern, jetzt, in diesem Moment sich eben nicht in die Hände dieses Wesens begeben, das bestimmt zuvor wie auch später viel Unglück verbreitet.

Diesen Moment hält Gréban an, indem er mit seinem Bild von der Hexe auf die linke Seite wechselt. Rechts sehen wir, wie die kleine Seejungfrau den Trank zu sich nimmt, und möchten ihr zurufen: „Nein! Denk nach!“, wohl wissend, dass die Geschichte ihren Lauf nehmen wird. Umso mehr berührt uns der Versuch, uns die Möglichkeiten einer Veränderung der Geschichte anzudeuten.

 

Eine schöne Version der kleinen Meerjungfrau.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en