Anne Pätzke:
Kulla und der Schneemann

Hamburg: Tokyopop 2008

www.tokyopop.de

ISBN 978-3-86719-437-2
54 Seiten * 10,00 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Kulla ist ein weißes Kaninchen im Rotkäppchenmantel, den sie auch in ihrem Iglu förmigen Haus nicht auszieht. Unter der Kapuze trägt sie einen dunklen Haarpony, der gerade geschnitten ist und die halbe Stirn frei lässt. Eine Figur mit hohem Wiedererkennungswert. Hier liegt der zweite Band von „Kulla“ vor.

Rotkäppchenhase

Der Schneemann ist weit weniger liebenswert geraten. Der freundlich gebogene Mund wird mit kleinen Kohlestückchen angedeutet. Anstatt allerdings liebenswert zu wirken, erinnert er eher an eine Fratze (Erwachsenen kennen so eine Maske eventuell von Lektor Hannibal). Fünf sepiafarbene Spatzen dürfen Komparsen sein und bringen einen Niedlichkeitsfaktor mit ein. Der Schneemann, der eigentlich ein Hase sein soll, wird sehr bald in der Geschichte lebendig und möchte mit Kulla zusammen Dinge erleben. Das führt allerdings zu einige Unmöglichkeiten wie: heißen Tee trinken, unter die dicke Bettdecke krabbeln, sich in die wärmende Sonne setzen.

Vor allem aber will der Schneehase eigene Abenteuer erleben und Neues kennen lernen. So kommt er an die „Wiese der schlafenden Blumen“, die uns ziemlich zu Beginn bereits vorgestellt wurde. Sie liegt mitten im Wald, und dort herrscht immer Sommer. Eine Figur aus Schnee passt dort nicht gut hin, aber die Geschichte endet nicht tragisch.

 

Die Geschichte hat leider einige Brüche und entwickelt sich nicht logisch von allein. So hat der Schneehase zwar keine Beine, kann sich aber dennoch fortbewegen. Sprechen dagegen kann er nicht. Die Existenz einer Sommerwiese wirkt arg konstruiert, ebenso dass dort „bei Kälte“ die Blumen gegossen werden müssen. Hier kommt auch noch ein bisschen „Pädagogik“ ins Spiel, denn selbstverständlich ist Kulla „fleißig“ und verantwortungsbewusst, tobt also nicht nur herum, sondern erledigt auch selbstverständlich ihre Pflichten. Feen dürfen auch mitmachen, können aber gar nicht zaubern. Für einen Zauber muss ein Sternschnuppen-Funken herhalten. Der darf dann auch gleich noch ein hoch spezielles Kleinklima für den Sommer schaffen.

 

Leider hält die Geschichte nicht, was die Figur der Kulla und die Bildkomposition mit undeutlichem, aber stimmigen Hintergrund versprachen. Brüche und Ungereimtheiten sowie stockender Erzählfluss, bildliche Ausflüge ins Süßliche sowie auch hier logische Brüche (Schrumpfung von Stockarmen und Kohlen / gesunde Grasfarbe und dürstende Wiesenblumen / kein „fertiger“ Kopf wird einem Schneemannskörper aufgesetzt).

Schade.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en