Erdmute von Mosch:
Mamas Monster

Bonn: Balance buch & medien 2008

www.balnce-verlag.de

ISBN 978-3-86739-040-8
32 Seiten * 14,95 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Die Mutter hat Depressionen, kann sich nicht um ihre Kinder kümmern – und die 5-jährige Rike fühlt sich dafür verantwortlich. Ein kleines Bilderbuch mit einem ungewöhnlichen, aber wichtigen Thema. Leider ist „gut gemeint“ nicht „gut“ und „pädagogisiert“ nicht „pädagogisch“.

Depression

So wichtig das Sprechen über psychische Krankheiten in der Familie, wenn sie denn vorkommen, ist, so wenig plakativ dürfen weder die Geschichte noch deren Darbietung sein. Leider liegt beides in diesem kleinformatigen Buch vor. Kinder mögen keine Bilderbücher, in denen der Illustrator so malt, als hätte die Bilder ein Kind gemalt. Dabei bleibt die Illustratorin hier nicht dabei, sondern sie bringt Perspektive und Raum mit hinein, was so gar nicht zum Rest des Bildes passt.
Rikes Gesichtsausdrücke sind überzeichnet, Zorn erzeugt extreme Linien wie auch Trauer und Zufriedenheit. Kein Gesicht hat eine Nase, Wangen sind rund und rot, die Haare mittelgescheitelt. Die Hände sind weiße Ovale, die Arme und Beine schwarze Striche. Damit auch niemand übersieht, wie schrecklich die Situation mit der depressiven Mutter ist, muss auch noch ein Teddy herhalten, der Rikes Gefühle wiederholt. Zusätzlich trägt er auf der Stirn ein Pflaster.

Das ist alles etwas zu dick aufgetragen, wie auch die Geschichte selbst. Mutters Depression scheint unvermittelt aufzutreten, sodass alle überfordert sind mit der Situation. Obwohl die Mutter sonst Rike am Sonntag immer weckt (wirklich?), lässt der Vater sie schlafen und wartet stattdessen beim Frühstück auf sein Kind. Sein einziger Kommentar auf die Frage nach Mama: „Sie liegt noch im Bett.“ Kein Wort, dass sie sich nicht wohlfühlt, dass sie krank sei oder Ähnliches.

Von da an wird der Text „pädagogisch“. Der junge Leser / Zuhörer – so scheint die Intention zu sein – ist in einer ähnlichen Situation. Da der eigene Elternteil nicht weiß, wie er damit umgehen soll, liest er seinem Kind dies Bilderbuch vor, dann wird es das schon verstehen. Der Textanteil wird immer länger, die Fantasie der Betrachter immer weiter zugeschüttet, das Thema zerredet.

Dabei sind gute Ideen angelegt. Zum Beispiel das Gefühlsmonster (auch wenn dabei die Existenz von Monstern nicht nur nicht geleugnet wird, sondern sogar ausdrücklich bestätigt – das kann zu anderen Zeiten andere Ängste hervorbringen), das als lebendiges Quadrat mit riesigen Augen und gestohlenem roten Herz gezeichnet wird. Rike selbst ist nicht beteiligt am Sieg über das Monster, ihr wird lediglich per Text erzählt, dass sie nicht an der Situation der Mutter Schuld habe. Ob das hilft?

 

Schade, dass eine gute Idee nicht adäquat umgesetzt wurde. Vielleicht hätte ein Text-Profi eine kleine Erzählung daraus machen können, die wirklich betroffen macht. Die Bilder würden dann eine wichtigere Rolle einnehmen (müssen), was der Intention des gesamten Unterfangens sicher gut getan hätte.

 

 

P. S. Die Reihe, in der das Buch erscheint, heißt „Kids in Balance“. „Kinder im Gleichgewicht“ wäre auch nicht schlecht gewesen.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en