Lorenz Pauli & Kathrin Schärer:
ich mit dir, du mit mir

Zürich: Atlantis bei Orell Füssli 2008

www.atlantis –verlag.ch

ISBN 978-3-7152--
32 Seiten * 13,90 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

Herrliche Skizzen, tolle Bilder, eine schöne kleine Geschichte um Vereinbarungen, bei denen beide gewinnen – jedenfalls wird das immer behauptet und mehr oder weniger von den beiden auch geglaubt. Die „beiden“, das ist ein tapsiger fröhlicher Bär und ein kleiner Siebenschläfer, die sich zufällig begegnen und dann wohl nicht mehr loslassen.

für dich, für mich

Obwohl, wenn man es genau nimmt, der gemütliche Bär ein bisschen trottelig ist und sich scheinbar mehrfach übervorteilen lässt, geht es ihm gut. Er selbst beginnt mit Tauschgeschäften, die mit den Worten: „Für dich ein Gewinn, für mich ein Gewinn.“ begleitet werden. Sein Partner ist ein kleiner Siebenschläfer, etwa so lang wie das Gesicht des Bären. Der Vorspann auf dem Vorsatz zeigt, wie er zu seiner Flöte gekommen ist, dem ersten Tauschgeschäft. Den Holunderzweig bricht er ab und höhlt ihn mit einem dünneren aus. Aus dem dünneren wird anschließend das Mundstück gefertigt, jetzt fehlen noch die Löcher für die Flöte. Da hilft der Specht. Während dieser Arbeit sehen wir den Bären auf seinem roten Lieblingskissen mit den vier Trotteln an den Ecken selig schlummern. Bestimmt träumt er etwas Schönes.
Er erwacht durch die liebliche Musik der Siebenschläfer-Flöte und möchte das – sofort – auch können. Das erste Tauschgeschäft ist perfekt: Flöte gegen Kissen. Aber ach, sowohl die Tatzen als auch der Mund sind nicht gemacht zum Flöten. Kathrin Schärer skizziert im Hintergrund die vergeblichen Bemühungen des Bären und malt im Vordergrund aus, dass der Kleine vom Hineinpusten fast weggeblasen wird, während die Feuchtigkeit aus der Flöte heraustropft. Jetzt ist es am Siebenschläfer, ein Geschäft vorzuschlagen: Flöte gegen Musik. „Für dich ein Gewinn, für mich ein Gewinn.“

Und so geht es fort. Der Bär trägt den Nager, dafür zeigt dieser ihm den, seinen Weg. Gegen das ausgelassene Tanzen mit dem Bären schenkt ihm der Siebenschäfer einen Kiesel, einen „Glückskiesel“, wie er sagt. Und so geht es noch eine Weile weiter. Schon der erste Tausch war offensichtlich der „Beginn einer wunderbaren Freundschaft“.

Als eine Art „Nachwort“ sieht man auf der Innenseite des Buchdeckels einige Episoden gemeinsamen Erlebens, wobei auch der Specht einmal mitspielen darf.

 

Geschäfte auf Gegenseitigkeit müssen also gar nicht fair sein. Es reicht aus, wenn die beiden „Geschäfts“partner ohne Lug sind und sich gegenseitig akzeptieren. Daraus kann sogar Liebe werden. John Steinbeck schuf 1937 mit George und Lennie solch eine Partnerschaft in „Of mice and men“ – und jetzt Lorenz Pauli und Kathrin Schärer mit den beiden, die allerdings keinen Namen erhielten.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en