Amnesty International:
Wir sind alle frei geboren
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Aus dem Englischen von Anne Emmert

Hamburg: Carlsen 2008

www.carlsen.de

ISBN 978-3-551-51711-1
64 Seiten * 16,90 € * ab 06 Jahre

 

 

 

 

Die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“, das sind 30 Artikel, die am 10. Dezember 2008 60 Jahre alt werden, sind in einer vereinfachten Form von Amnesty International abgedruckt und von je anderen Illustratoren bebildert. So schön und gerecht könnte es in unserer Welt zugehen.

All men are born equal

Amelie Fried schreibt in ihrem Vorwort, dass jeder fünfte Deutsche keinen einen einzigen Inhalt eines Artikels der Menschenrechte kennt, die doch bereits 1948 von der UNO verabschiedet wurden. Hier leistet das Buch einen wichtigen Beitrag. Keinen Einfluss kann es auf die nehmen, die diese Rechte in keiner Weise beachten. „Nur, wer seine Rechte kennt, kann sich dafür einsetzen, dass sie eingehalten werden, und sich wehren …“ formuliert sie.

28 Illustratoren aus verschiedenen Teilen der Welt bebildern auf sehr unterschiedliche Weise die einzelnen Artikel. Es beginnt mit „Wir sind alle frei und gleich geboren.“ und müssen deshalb „alle gleich behandelt werden.“ Die gut lesbare, große Schrift erleichtert es auch Lese-Anfängern, den ersten Text selbst zu erlesen, andere Schrifttypen, die folgen, sind im Druck nicht unbedingt so lesefreundlich.

Ähnliches muss leider auch für einige Illustrationen gesagt werden. Es scheint, dass nicht alle Illustratoren ihre Aufgabe so ernst genommen haben, wie sie es vielleicht für ein eigenes Buch gemacht hätten. Inhalt der Bilder sind oft Kinder beim Spielen oder ein Sich-gegenseitig-Helfen. Im Stil sind sie sehr unterschiedlich, Comics aus der Independence-Ecke (Korky Paul) folgen Bilder, die einem Malwettbewerb der achten Klasse entlehnt sein könnten (Satoshi Kitamura). Weniger gelungen sind auch immer Versuche, Kinderhand nachzuahmen, wie es Nicholas Allen versucht, indem er außerdem noch möglichst viele Rechtschreibfehler in seine Bilder einbaut, um damit der Forderung zum Recht auf Bildung Nachdruck zu verleihen.

 

Es gibt selbstverständlich aber auch viele positive Beispiele, „niedliche“ Bilder (Axel Scheffler), trotz des wichtigen Themas „witzige“ (Sybille Hein, Debi Gliori, Marcia Williams), „bedrückende“(Alan Lee) und andere mit großer Aussagekraft. Am beeindruckendsten ist vielleicht die Puppe von Jane Ray, die den 5. Artikel gegen „Verletzen und Foltern“ sichtbar macht: Die starren Augen der Puppe mit den Kreuzen auf der Iris und der lächelnde gestickte Mund stehen in krassem Widerspruch zu den Blutflecken und den notdürftig vernähten Wunden, die so gar nicht zu einer Puppe passen wollen.

 

Zu loben ist natürlich und selbstverständlich das gesamte Unterfangen, die Menschenrechte bildlich bekannt zu machen. Ebenso dient die Internationalisierung durch die 28 Illustratoren aus 16 Staaten (Schwerpunkt England) dem weltweiten Projekt. Deren kurze Vita inklusive ihrer Fotos schließt sich den Artikeln ebenso an wie eine Übersicht aller Texte der Menschenrechte auf einer Doppelseite.

 

Das Buch sollte auf alle Fälle in keiner Schulbibliothek fehlen und kann selbst Schülern der Sekundarstufe II unter verschiedenen Aspekten dienen.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en