Hans Christian Andersen & Lisbeth Zwerger:
Däumelinchen

Zürich: NordSüd 2008

www.nord-sued.com

ISBN 978-3-314-01616-5
32 Seiten * 12,95 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Die „Mutter“ hat nicht lange Freude an „ihrem“ extrem kleinen Kind, das sie von der Hexe erhielt. Däumelinchen wird entführt und kehrt nie wieder zurück. Wir erleben die Abenteuer des Mädchens, die „im Süden“ ein vorläufiges und sehr befriedigendes Ende finden. Zarte und sehr bemerkenswerte Bilder in Brauntönen begleiten das Märchen.

Odyssee

Der Nord-Süd-Verlag bringt in einer kleinen Serie die von Lisbeth Zwerger illustrierten Märchenbücher neu heraus, die in den 1980er Jahren im Michael-Neugebauer-Verlag verlegt wurden.

Hier handelt es sich um das Märchen vom dänischen Erzähler, in dem ein kleines weibliches Wesen aus einem Gerstenkorn heraus wächst und nach vielen Abenteuern dorthin gelangt, wo es offensichtlich hingehört. Aufgewachsen in einer Blume, die aus einem Gerstenkorn erwuchs, entführt von einem Frosch, befreit von Fischen und einem Schmetterling, gestohlen von einem Maikäfer und überwinternd bei einer Maus, die Däumelinchen an einen Maulwurf verkuppeln will. Ihre Feinfühligkeit und ihr Mitgefühl verschaffen ihr aber per Schwalbe die Flucht und ein neues Leben im warmen Süden, in dem es auch Elfen gibt, die nicht größer sind als sie.

Ein allerliebstes Däumelinchen hat Lisbeth Zwerger geschaffen. Es trägt ihre rotblonden langen Haare in Zöpfen, weiße langärmlige Bluse unter einer Weste und einen langen, fließend fallenden Rock, unter dem die schuhlosen Füße zu sehen sind. Die Tiere sind vermenschlicht, gehen oft auf zwei Beinen und tragen Mantel und Schuhe, ja, sogar der Mäuseschwanz wird durch einen gestrickten Strumpf gewärmt.

Ihre Hexe ist eine sehr sympathisch wirkende ältere Frau mit grauen kleinen Locken und extrem spitzer langer Nase. Unter ihrem sich öffnenden grauen Mantel schmiegt sich eine Katze an sie, aus der aufgenähten Tasche schauen einige Kräuter. Die „Mutter“ dagegen wirkt abgearbeitet mit groben Händen und leichten O-Beinen. Das Kopftuch hat sie unter dem Hals in einer großen Schleife gebunden, die Schürze deutet darauf hin, dass sie wohl nicht viel mehr von der Welt gesehen hat als ihr Heim. Dass sie offensichtlich nicht weiß, wie man zu einem Kind kommt, traut man ihr ohne Weiteres zu.

Dass das Kinderbekommen dennoch gelingt, ist schön, denn sonst hätten wir dies Märchen nicht und nicht diese wunderbaren Bilder.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en