Heinz Janisch:
Bärensache

Illustrationen von Daniela Bunge, Helga Bansch, Manuela Olten

Zürich: Bajazzo 2008

www.bajazzoverlag.de

ISBN 978-3-907588-97-0
48 Seiten * 14,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

 

Eine Geschichte zwischen Nonsense und artgerechter Tierhaltung im Zoo und drei Illustratorinnen, die den Text individuell auf je sechs Doppelseiten interpretieren. Eine zunächst schöne Idee, deren Ausführung allerdings nicht nur Beifall hervorruft.

Drei

Heinz Janisch kann sich nicht so recht entscheiden, ob die Geschichte vorwiegend witzig sein oder einen kritischen Ton über das Leben von Zootieren beinhalten soll. Wortspiel („Bärensache“ und „Bärenwort“) und Irrwitz (ein Bär wird Rockstar, der andere will Schach spielen) sowie wörtliche Umsetzung von Sprichwörtern (aus der Haut fahren / die Schnauze voll haben) sind Teile, die den Illustratorinnen, die alle unabhängig voneinander arbeiteten, Ansätze für besondere Bilder bieten.

Was ist von dem Projekt zu halten? Es kann nicht vermieden werden, dass sich ein Wettkampf zwischen den Illustratorinnen einstellt, welche Interpretation denn die beste sei, welche Teile alle drei umsetzten oder wo besondere Ideen einfließen. Das kann aber nicht der Sinn sein für ein fertiges Bilderbuch. So etwas im Vorfeld würde den Sieger – und nur ihn – gedruckt sehen. Interessanter für die Konsumenten wäre vielleicht, dass eine längere Geschichte gedrittelt würde und jede Illustratorin einen Teil übernimmt. Oder: Eine Geschichte wird aus drei Perspektiven je anders erzählt. Dann hat auch die dritte Illustratorin eine gleichberechtigte Chance auf Wahrnehmung.

 

Zu den Bildern:

Alle drei Illustratorinnen fangen den von Janisch geworfenen Ball gern auf, zeichnen, wie sich ein Bär seines Fells entledigt und wie er darunter aussieht und wie er 123 Ameisen aus der vollen Schnauze schüttelt. Während Manuela Olten den Direktor als Gesprächspartner des Bären nur in einem kleinen Nebenbild (als kleinen Mann) aufnimmt, ist er bei Daniela Bunge ein Managertyp mit Hang zur Boheme. Helga Bansch als dritte zeigt einen Schimpansen als Direktor, sie lässt Menschen gar nicht hinein in die Geschichte. Die dürfen nur einmal in einer „verkehrten Welt“ als im Käfig ausgestellte Spezies mitspielen – von außen bestaunt von einigen Tieren, im Inneren mit Andeutungen verschiedener Aspekte (Märchen, heutige Jugend, Protestler, Übergewichtiger usw.) agieren.
Ebenso zeichnen alle drei fast beiläufig, was sich zu Ameisen anbietet. Da diese bekanntlich ein Vielfaches des eigenen Körpergewichts tragen können, werden auf ihren Armen Gegenstände aus dem Büro des Direktors fortgetragen – alle drei lassen sie übrigens die Gegenstände nach rechts aus dem Bild tragen.

 

Der erste Bär sieht fast aus wie ein Nasenbär mit langer Schnauze, kurzen Armen und Riesenmaul, zuerst frech und stark, dann aber wie ein armes Sünderlein auf einem Hocker auf dem Rasen, umringt von Kindern, die ihn hänseln und sogar mit einer Zwille beschießen. Der Sympathiewert beim Betrachter geht gegen null, da helfen auch die Freudenbilder am Ende wenig.

Der zweite Bär könnte Teil einer Werbeagentur sein, modern, fetzig, bunt ohne Aufdringlichkeit. Durch den Verzicht auf exakte Fluchtpunkt-Perspektive wird die Geschichte durch „schräge“ Bilder ebenso schief. Hier ließen sich noch viele Einzelheiten besprechen.

Erst der dritte Bär von Helga Bansch mit seiner Unterhose mit den Schachmotiven wird zur Sympathiefigur. Wunderbar, wie sie ihn sich schütteln lässt, fünf Phasen in einem Bild einfängt wie mit einem Stroboskop. Er hat aber in Wirklichkeit nicht mehr viele Chancen bei uns Lesern, denn wir kennen die Geschichte inzwischen schon recht gut, die Aufmerksamkeit lässt nach.

 

Fazit: Ein Versuch für etwas Neues, das aber leider nicht überzeugt.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en