Susie Morgenstern & Chen Jianghong:
Ich werde Wunder vollbringen

Aus dem Französischen von Monika Hahn-Prölss

Berlin: Bloomsbury bei Berlin Verlag 2008

www.berlinverlage.de

ISBN 978-3-8270-5262-9
32 Seiten * 14,00 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

Na, was möchtest du einmal werden? Sonnenaufgeher oder Meeresaufstörer, Unrechtsverhinderer oder Friedensretter, Hungershelfer oder Hassersticker, Glücksbringer oder Versprechenshalter, Zauberer. Ein großformatiges und kraftvolles Bilderbuch über ungewöhnliche „Berufswünsche“.

Zukunft

Mit kraftvollem breitem Pinselstrich, viel schwarzer Aquarellfarbe und viel Mut gestaltet Chen die Berufswünsche eines Jungen, die als gereimte Zweizeiler daherkommen. Weil er zunächst nicht weiß, was er auf die Fragen, was er denn später einmal werden will, antworten soll, sagt er: „Pilot oder Inspektor beim Zoll“. Dann aber fallen ihm viele ungewöhnliche „Berufe“ ein, vergleichbar mit dem „Fänger im Roggen“ oder dem „König von Deutschland“. Die Sonne will er aufgehen lassen, die Wogen des Meeres sollen sich erheben und ein Konzert geben. Tote will er erwecken, damit sie wieder einmal Ball spielen können und fröhlich lachen, aber auch Schurken hinter Gitter stecken. Ein noch merkwürdigerer Wunsch ist der, andere vor Reue zu bewahren, oder der, ein Gott zu werden, der „alles besser macht auf Erden“.

Der gezeichnete Junge in seinem quer gestreiften Hemd mit den zu kurz gewordenen langen Ärmeln und der kurzen blauen Hose ist zumeist barfuß abgebildet. Seine Welt der Zukunft ist oft schwarz (wie „ungewiss“) mit dicken Aquarell-Klecks-Wolken oder breitem Pinselstrich mit deutlichem, grobem Duktus. Eine Katze darf ab und zu noch mitspielen, ansonsten fast nur Natur. Die Menschen – Polizisten, Soldaten, Gauner, Genesende, Köche oder Eingekleidete – sind eher Beigabe zur Erläuterung des neuen Wunsches. Besonders auffällig und beeindruckend ist eine tief- bis leuchtend rot gestaltete Seite mit wenigen schwarzen Einschüben. Der Junge stürzt von links mit geschlossenen Augen und vorgestreckten Händen in diese „Feuersgluten“, die er ersticken wird wie den Hass. Voller Selbstvertrauen wirft er sich hinein, denn seine Wünsche werden in Erfüllung gehen.

Vielleicht wird er aber auch (zunächst) etwas ganz anderes machen.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en