Klaus John & Stephan Pricken:
Wie es kam, dass Tiger und Hase ein neues Zuhause fanden

Frankfurt: Fischer Schatzinsel 2008

www.fischerschatzinsel.de

ISBN 978-3-596-85310-6
40 Seiten * 12,90 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

Was passiert mit ausgespielten Stofftieren? Sie werden weggeworfen, landen auf dem Müll. Das haben aber die meisten nicht verdient, so auch der Hund, wegen seines Ersatzohres „Tiger“ genannt, und der Hase. Doch manchmal hat das Schicksal es anders gewollt. Beide finden nach einer Schönheitskur eine neue Aufgabe.

Manchmal lebt man zwei Mal

Ein Bilderbuch mit relativ viel Text. Er erzählt die Geschichte des blauen Stoffhundes mit dem karierten Ohr, der in der Vorweihnachtszeit das Opfer einer Aufräumaktion wird. Man braucht Platz für die neuen Geschenke, die es zu Weihachten geben wird. Ähnlich geht es dem Stoffhasen, den der Dackel als Spielzeug benutzte. Die Kopfnaht riss auf und einiges Stroh wurde sichtbar. Wäre die Eule nicht gekommen und hätte die beiden Stofftiere in die Nähe des Kaufhauses transportiert, wären sie auf der Müllkippe wohl in allernächster Zeit mit einer neuen Fuhre Abfall überschüttet worden.

In der Spielwarenabteilung des Kaufhauses lacht ihnen aber gar nicht das Glück. Sie werden erneut weggeworfen, dann aber aus der Mülltonne des Kaufhauses von einer Frau herausgefischt. Die macht eine Runderneuerung aus den beiden und ihr Mann transportiert die beiden Stofftiere und noch viele andere Neuerweckte in ein Waisenhaus (?) irgendwo „im Osten“. Jeder ist (noch) zu etwas nütze!

Die Figuren, die Stephan Pricken zeichnet, sind oft etwas übertrieben. Frau Krause hat feuerrotes Haar mit großer Innenrolle, trägt grünes Kopftuch und gelbe Gummihandschuhe und ist stark geschminkt. Auf die Müllkippe platziert der Illustrator alte Autos sowie ein Oldtimer-Motorrad (Umweltschutz?), und seine Retter-Eule könnte genauso ein Spielzeug sein wie die beiden Hauptdarsteller. Den Bruch des Textes (die beiden Stoff-Wesen können sich plötzlich selbstständig bewegen und laufen ins Kaufhaus – wozu brauchten sie dann die Eule?) übernimmt er und überkarikiert zugleich die herausströmenden Menschen. Warum muss der Weihnachtsmann ein Farbiger sein? Das Ehepaar im Vordergrund zeichnet er als große Frau mit kleinem Paket, Fuchs-Schal und Handy, während ihr Zwergen-Mann hinter ihr den großen Paketturm balanciert. So ließen sich noch viele der Geschichte nicht dienende Beispiele nennen, die der schönen Grundidee keinen Gefallen tun.

 

Was können wir lernen? Vielleicht machen unsere Kinder bei ihren – zu – vielen Spielsachen auch einmal „Kassensturz“ und überlegen, ob sie mit einem kleinen Einsatz nicht jemandem eine Freude machen können. Wir sollten unsere Wegwerfgesellschaft in Frage stellen. Ein paar leuchtende Augen irgendwo in der Fremde können Lohn genug sein.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en