Andrea Karimé & Annette von Bodecker-Büttner:
Soraya, das kleine Kamel

Wien: Picus 2008

www.picus.at

ISBN 978-3-85452-142-6
32 Seiten * 14,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Das kleine Lasten-Dromedar weiß: Das Leben muss noch etwas anderes bieten als den Weg von der Straße ins Dorf – unterbrochen nur vom Liegen, Warten, Kauen. Soraya ist hartnäckig und glaubt unverwandt daran, dass sie eine schmucke Kette aus Sternen erhalten kann.

Soraya heißt „klein“

Die beiden alten Kamele „schütteln nur den Kopf und kauen und warten“, während sie Sorayas vergebliche Versuche, sich mit Sternen schmücken zu wollen, mit den Augen verfolgen. Die schnelle Wüstenmaus weiß keinen Rat, die Libelle nicht, der Spiegel des Wassereimers, in dem die Sterne so nah erscheinen, gaukelt dem kleinen Dromedar nahen Erfolg vor, die Wüstenfüchse sind eher amüsiert über dieses Kamel, das vom Gipfel der Berge aus nach den Sternen schnappt. Allein die Lerche hat Mitleid mit Soraya.
Und während das kleine Kamel schläft, nimmt der Vogel Kontakt auf mit dem Mond, der sich in den einsamen Nächten so sehr freut über den Gesang der Lerche. Er macht ihr ein Angebot, und sie sagt „Schukran, danke“.

Immer wieder werden arabische Wörter in die Geschichte eingestreut und geben ihr dadurch ein wenig Authentizität: „Assahara gamila“ meint, dass die Wüste schön sei, „La“ bedeutet „Nein“ und für „Hurra!“ darf man auch „Ya salaam!“ rufen.

 

Die Bilder sind in warmen Gelb-Brauntönen gehalten, Blau ist die Gegenfarbe für den Himmel und einige Decken. Bewusst sind sie zusammengefügt aus ausgeschnittenen Einzelteilen, was dafür sorgt, dass Bewegungen eckig und eingefroren erscheinen. Ein fallendes oder sitzendes Dromedar wird erst gut deutlich, wenn man den Kopf etwas neigt. Durch den Verzicht auf realitätsnahe Abbildung wird die Stimmung besonders deutlich. Man ist der Wüste sehr nah und dem unendlich großen Himmel, der sich darüber spannt, man fühlt sich sehr klein mit Soraya und bewundert, dass das Kamel dennoch nicht nachgibt.

Interessanterweise treten in der Geschichte gar keine Männer auf, und die drei Frauen sind nicht nur sehr selbstbewusst, sondern auch schön, freundlich und genügsam.

Jungen dürfen sich das Buch aber auch anschauen.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en