Monika Feth & Angela Kehlenbeck:
Der kleine Gedanke

Köln: Boje 2008

www.boje-verlag.de

ISBN 978-3-414-82088-4
28 Seiten * 12,90 € * ab 05 Jahre

 

 

 

 

Gedanken haben kein Leben. Sie sind abhängig von dem, der sie denkt. Der alte Gedanke sagt sogar, wer nicht gedacht wird, „wird … schwach und blass“. Also sucht er sich einen Kopf, wird aber später gefangen und festgehalten. Sonst hätten wir ja nicht dieses schöne Bilderbuch.

gedacht werden

Die Ausgangslage ist eher klassisch. Schriftsteller ohne Idee schreibt über einen Schiftsteller ohne Idee. Der Kater kommt herein, fordert sein Recht, draußen summt ein Rasenmäher, drinnen die Fliege. Es ist wie verhext, die Gedanken scheinen sich zu verstecken. Wechsel der Perspektive. In der Tat spielen die Gedanken Schabernack mit Monika Feth, besonders einer will sich nicht einsperren lassen, nie mehr. Er spürt den Drang nach Weite und Freiheit, folgt dem Ruf so lange bis ihn der Alte auf den Boden zurückholt: Gedanken müssen gedacht werden.

Soweit in Ordnung. Aber von wem will er denn gedacht werden, der kleine Gedanke? Er schaut sich um: Nein, nicht vom Griesgram, nicht von der brüllenden Mutter. Und auch wenn er zunächst Zukunft fröhlicher macht, wird er doch von der Autorin geschnappt. Gut für uns! Gut für ihn, dass sie ihn wieder frei lässt. Anschließend.

 

Eine schöne Idee von Angela Kehlenbeck, mit blassen Buchstaben bedrucktes Papier als Unterlage zu verwenden. Das merkwürdige Wesen, Gedanken von jemanden kennen zu lernen, den man selbst gar nicht kennen lernt. So ist es konsequent, wenn sie den personifizierten Gedanken aus gerissenem bedrucktem Papier mit einer Haarfrisur wie Pumuckel herstellt. Weiterhin dürfen in den verschiedenen Szene mitspielen: Fliege, Frosch, Vogel, Maus, Leibniz-Kekse (oh, wir wittern „product-placement“), chinesisches Papier-Schirmchen, das sonst wohl bei einer Eis-Creation den Gipfel macht. Damit kann man die eine oder andere witzige Situation zaubern. So scheint aus dem Ei im Nest eines Kuckucks ein kleiner Frosch mit goldener Krone zu springen, während der Vogel selbst nur Teil eines Fotos ist.

Die Zeichnungen / Collagen werden mehrfach plötzlich und unvermittelt bedeckt durch das kräftige rotbraune Fell des Katers, das sich im Fell eines Hundes kurzzeitig wiederfindet.

Kurz: Nach scheinbar bekanntem Beginn, eine furiose Entwicklung, die adäquaten Bildern begleitet wird – Nachdenken inklusive.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en