Susanne Rebscher:
Leonardo da Vinci

Illustriert von Emanuelle Etienne, Kalligrafien von Hans Maierhofer

Bindlach: Loewe 2008

www.loewe-verlag.de

ISBN 978-3-7855-6042-6
32 Seiten * 24,90 € * ab 07 Jahre

 

 

 

 

Ein großes Format, ein Einband wie aus altem Leder, Doppelseiten als hätte er sie selbst gestaltet auf einem Hintergrund, der über 500 Jahre alt ist: Leonardo. Mit vielen Ideen, die der Verlag aufwendig „gestattete“ und gestaltete, ist dies Sachbuch eben nicht überflüssig, nur weil es schon 428 andere Bücher über Leonardo aus Vinci gibt.

Universal und Genie

„Der vitruvische Mensch“ auf dem Titelbild, jener Mann mit Doppelarmen und –beinen im Quadrat, im Kreis, der auch die Unmöglichkeit symbolisiert, aus einem Kreis ein flächengleiches Quadrat zu machen. Inkommensurabilität nennt das die Mathematik. Ein gut gewähltes Symbol für das Buch um das Leben von Leonardo: die Verbindung von Kunst und Wissenschaft.

1452: Seine Mutter war wahrscheinlich eine Bauernmagd im Dorf Vinci, sein Vater ein angesehener Rechtsanwalt und Notar in Florenz. Der Großvater – ebenfalls Notar – ist es, der das Kind bei sich aufnimmt und ihm den Eintritt „in die Welt“ ermöglicht, denn der Besuch einer Meisterschule (bei Andrea Verrocchio) muss bezahlt werden. Schnell stechen die von Leonardo gemalten Teile aus den Gemeinschaftsbildern der Werkstatt heraus, er selbst übernimmt eine eigene Werkstatt und zieht mit 30 Jahren zu seinem ersten Gönner und Mäzen: Ludovico von Sforza in Mailand.

 

Damit verlassen wir auch die Chronologie und widmen uns zunächst den Mäzenen, die für Bilder, Plastiken und Architektur bereit waren, auch größere Geldsummen bereitzustellen. Es wird nicht untersucht, woher die Sforzas oder Medici ihr enormes Vermögen hatten oder warum Päpste zu wessen Ehren Kirchen bemalen zu lassen.

Leonardo muss wie jeder Künstler auch überleben, und er lebt nicht schlecht, kann es sich trotz der Inquisition zunächst sogar – wen schon nicht öffentlich, so doch auch nicht geheim – herausnehmen, Anatomie-Studien zu machen. Er schaut die Natur selbst an, vermisst sie und hat für jede Erfindung, die ihm bekannt wird, einige Verbesserungen anzubieten. Dabei kommen ihm jene Ideen für Erfindungen, deren Umsetzungen an fehlenden Materialien oder Antriebsmöglichkeiten scheitern.

 

Eine Fülle von Gestaltungsideen sind auf den 32 Seiten untergebracht. Klappen verbergen andere Bilder oder Texte, in kleinen Hüllen stecken kleine Briefe oder Notizen, die mit rotem Faden gehalten werden, mal ist die ganze Seite am Rand ausklappbar, mal zeigt ein Riffel-Doppelbild die Planung eines Bildes und zugleich die Durchführung. Neun weitere Facetten des Genies aus der Renaissance werden vor uns aufgedeckt.

Und wir erfahren eine kleine Nebensächlichkeit, nämlich dass Leonardo Linkshänder war. Vielleicht deshalb, vielleicht auch aus Geheimniskrämerei gibt es viele Original-Annotationen von Leonardo in Spiegelschrift. Die herausnehmbaren Briefe oder Notizzettel kann man gut gegen das Licht halten und sich dann durchlesen. Für die anderen gibt es ein nettes „Bonbon“: eine Spiegelfolie, die an einem Band hängend zugleich als Lesezeichen dienen kann.

Ein sehr kurzweiliges Sachbuch, das durchaus Raum lässt, zum Teil sogar dazu auffordert, sich genauer oder erweitert zu informieren.

Das sollte vielleicht (wegen der aus diesem Bild folgenden „Bilderwelle“ dieser Art) auch bei der „Hlg. Anna Selbdritt“ stehen. Und bei der Neuauflage die Prozentzahl bei Wasser und Mensch ändern (60 bis 70 Prozent des Menschen bestehen aus Wasser, andere Lebewesen bringen es allerdings wirklich auf bis zu 90 %).

Für Kinder ab 7 Jahre, für alle Jugendlichen und Erwachsenen sowieso, gut geeignet.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en