Béatrice Rodriguez:
Der Hühnerdieb

Wuppertal: Peter Hammer 2008

www.peter-hammer-verlag.de

ISBN 978-3-7795-0202-9
28 Seiten * 9,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Ein Bilderbuch braucht keine Worte, wenn es solche Bilder hat. Die Familie sitzt gemütlich vor dem Haus, da raubt der Dieb eine der ihren. Eine wilde Verfolgungsjagd beginnt, Bär und Hase und Hahn immer etwas hinter Fuchs und Huhn hinterher.

echte Liebe

Spätestens bei der zweiten Nacht der Verfolgungsjagd kommt uns etwas sehr merkwürdig vor: Fuchs und Huhn spielen in der gemütlichen Höhle bei warmem Kerzenschein Schach und schlafen dann Arm in Arm. Sollte diese Entführung etwa nicht dem Aufgefressenwerden dienen? Haben wir es hier etwa mit dem alten Ritus der Braut-Entführung zu tun? Oder hat sich jener Zustand blitzschnell in diesen verwandelt? Entführte beginnt, den Entführer zu lieben und umgekehrt? Egal, gut geht sie jedenfalls aus, diese Geschichte.

 

Das sieht lange allerdings nicht so aus. Die drei Verfolger sind im dunklen Wald schon mal total müde und kaputt und übernachten – gar nicht weit von den Verfolgten übrigens – in den Astgabeln eines hohen Baums. Am Morgen nehmen sie die Fährte wieder auf, kommen sich ganz nah, die beiden Gruppen, jedoch kann der Bär den beiden anderen in die engen Berghöhlen nicht folgen. Hase und Hahn sind wohl nicht tapfer genug.
Nachdem sie ein Meer durchqueren müssen – Fuchs und Huhn im Ruderboot auf leicht welligem Wasser, Hase und Hahn auf dem starr gestrecktem Bären in turmhohen Wellen (eine schöne Hommage an Hokusaï) – klärt sich auch gleich alles auf: ein richtiges schönes „Happy End“ mit warmen gelben Farben am Kaminfeuer.

 

Schön, dass es noch solche Liebe gibt. Und sei es die Liebe zwischen Fuchs und Huhn.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en