Adelheid Dehimène & Heide Stöllinger:
Esel

St. Pölten: Residenz 2008

www.residenzverlag.at

ISBN 978-3-7017-2044-6
34 Seiten * 8,90 € * ab 05 Jahre

 

 

 

 

Die Zwei sind echte Esel. Am Tag der Silberhochzeit entdecken sie bei einem Streit, dass sie einen wie den anderen jederzeit finden könnten. 25 Jahre werden über Bord geworfen - Gottseidank kommen beide aber bald zur Besinnung.

Zwei rechte Toren Esel

Dabei begann alles so schön. Damals war es Liebe auf den ersten Blick, und mit dem ersten “I-A” (auf Bayrisch gibt’s das auch bei Menschen) waren sie ein Ehepaar. Dass sie zusammengehören, bildete sich auch äußerlich heraus, denn wenn sie sich aneinander schmiegten, passte kein Blatt mehr zwischen sie. Seine kleine Beule an der Brust passte genau in ihre Einbuchtung am Hals, seine kleine Vergesslichkeit kompensierte sie mit kleinen Erinnerungszeichen. Dieses Mal aber ging sie zu weit. Damit er ihre Silberhochzeit nicht vergisst, knickte sie sein rechtes Ohr. Und damit begann das ganze Elend. Weil er nämlich auf dem anderen Ohr taub war, verschlief er den ganzen Tag, hörte weder Hahn noch Mittagsglocken. Sie schnaubt vor Wut, ein Wort gibt das andere, sie trennen sich. Er behauptet: “So eine wie dich finde ich jederzeit wieder!”, und sie kontert: “Ein Schlauerer als du bockt an jeder Straßenecke!” Gut, dass beide alte Esel sind, denn sie verlassen den Ort nicht etwa in verschiedener, sondern in gleicher Richtung. So dumm sind Esel also doch nicht.

Eine Geschichte aus der Wirklichkeit. Auch heute wird sich getrennt, werden gemeinsame Erinnerungen über Bord geworfen als wären sie Nichts, aufgewogen gegen einen kurzen Ärger oder ein kleines Fehlverhalten des Partners. Da werden sich manche Erwachsene wieder finden in der Geschichte, die aber auch auf Freundschaften unter Kindern gut zu übertragen ist.

Díe Bilder zeigen deutlich zwei Esel, die sich absichtlich störrisch stellen können, Spaß haben miteinander. Sie sind aber auch zwei Menschen, die sich verabreden und liebkosen und eng umschlungen schlafen, hochnäsig sein können und erschrocken. Ihre Gefühle tragen sie auf den Gesichtern, die selten „liebenswert“ sind, denn es sind deutlich zwei Esel, also ein bisschen dumm und störrisch – wie es sich gehört. Der eine ist braun gehalten, die andere grau, beide mit deutlichem Anzeichen des Alters, auch wenn die gezeigten Zähne immer noch guten Biss zu haben scheinen.

Der beigefarbene Hintergrund ist oft vor dem Zeichnen längs aufgerissen, damit auch deutlicher Platz für den mit Bleistift handgeschriebenen Text bleibt, der in Druckbuchstaben steht und in dem die Anfangsbuchstaben der Großbuchstaben betont werden.

Ein niedliches kleines Buch mit einer schönen Botschaft und einem pfiffigen Ende.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en