Cornelia Funke & Barbara Scholz:
Das Monster vom blauen Planeten

Frankfurt/M: Fischer Schatzinsel 2008

www.fischerschatzinsel.de

ISBN 978-3-596-85226-0
32 Seiten * 12,90 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

Einfach die Sichtweise tauschen – und schon sehen wir alles anders: Das Erdenmädchen ist das Monster, das sich Gobo vom Planet Galabrazolus als Haustier in seinem zweihundertsten Lebensjahr vom „blauen Planeten“ holt. Dem gefällt das aber gar nicht. Merkt mein Meerschweinchen eigentlich, dass es mein Haustier ist?

Sichttausch

Ach bitte, Mami. Ich möchte soooo gern einen Hamster haben! Alle im Kindergarten haben ein Haustier, nur ich nicht! So ähnlich geht aus auch Gobo, der endlich zu seinem 200sten Geburtstag ein eigenes Raumschiff erhält. Damit will er sich eins der Monster holen, wie er es von den Fotos seines Großvaters kennt, der die Erde vor vielen hundert Jahren besuchte. Ja, mit so einem Monster kann Gobo auch vor seinen Freunden bestehen, die längst Haustiere von fremden Planeten haben. Dass so ein Monster ihn für ein Monster halten könnte – damit hat Gobo nicht gerechnet. Und dass es gar ein Zuhause hat mit Mutter und Vater und Freunden, in das es zurückkehren will, das überzeugt Gobo.

 

So wie Cornelia Funke daran denkt, wie man sich im Weltraum bewegt und mit welchen Mitteln fremde Wesen miteinander kommunizieren, so zeichnet Barbara Scholz Welten, die zwar fremd, aber nicht gar ganz unbekannt sind. Die Wesen haben auch Augen, auch Arme und Bein – wenn auch mehrere. Sie leben in Familien, wo die Kinder spielen und die Alten mit der Lupe Fotos betrachten. Selbst Mobiles gibt es, Eis in Waffeln und eine Gurke als Briefträger. Die Raumschiffe ähneln kleinen Hubschraubern, zu deren Start man einen Schlüssel braucht und ein Ölkännchen. So fühlen wir uns in der fremden Welt gar nicht so fremd. Im Gegenteil: Die erste Begegnung auf der Erde ist uns eher fremd und bedrohlich: riesige Hochhäuser und dichter Autoverkehr anstatt saftige Wiese und Picknick.

 

Eine schöne Geschichte mit einer Moral, die wir durch die Umkehrung der Sicht erkennen. Nein, ich glaube, ich will gar kein Haustier mehr. Ich freue mich lieber über die Katze von den Nachbarn, die sich auch nicht gefallen lässt, eingesperrt zu werden und als Kuscheltier missbraucht zu werden.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en