Helmut Hoehn: Die Geschichte von Adi Adler

Regensburg: edition buntehunde 2008

 

 

 

 

Albert Allmann, Bildhauer aus München, erschuf einen Adler aus Stein, der an der Nibelungenbrücke in Regensburg gen Osten blickt. Nein, es muss „blickte“ heißen, denn der Adler trug zu Füßen ein Hakenkreuz, was gar nicht gern gesehen wird. Dennoch durfte der Rest zum „Bundesadler“ werden. Dies Buch verfolgt sehr ironisch, was mit dem Original werden soll.

Res Publica

Erzählt wird in Reimen, wie ein Nicht-Adler-Ei (das Ergebnis einer Raben-Liebe) als Kuckuckskind ausgebrütet wird, sich mit fremden Federn schmückt und sich gar „Adi“ nennt und viele Adler ihn bejubeln als den Über-Aar. Die historische Geschichte um Adolf Hitler und die Deutschen wird verkürzt aufgenommen und – aus heutiger Sicht –hervorragend verballhornt, jedoch wird die Historie auch nicht geschont: Sie „trieben zwischen ihre Fronten / alles, was sie fassen konnten / bissen, quälten, schikanierten / krallten hackten, massakrierten / brachten Elend und Gefahr / für jeden, der kein Adler war“. Das ist das deutsche Volk, das nicht durch „Machtergreifung“ in unmündig in das Verderben geführt wurde, das ist das Volk, das die Regierung erhielt, die es verdiente. Hoffen wir für heute – und auch das ist Ziel des Buches – das wir eine andere Regierung verdienen, weil wir selbst alle andere geworden sind, bleiben werden.

 

So kann man eben auch sehr gut mit der eigenen Vergangenheit umgehen. Schüler ab 9. oder 10. Jahrgang können diesen Umgang verstehen, einerseits den Adler als markantes Zeichen der Vergangenheit begreifen, wobei der Teil der Lächerlichkeit nicht ausgespart werden sollte. Andererseits bleibt die Frage, ob wir für unseren Staat und unsere Gemeinschaft ein Symbol für Gemeinsamkeit benötigen. Und muss es unbedingt ein Adler sein?

Helmut Hoehn hat nicht nur gedichtet, er hat auch schwarz-weiß bebildert, wie aus einem Rabenkind ein geschmückter Adler wird, und wie aus einem ungeschmückten Adler ein Vogeltier wird, das ziemlich gerupft ausschaut. Die „Hurrah!“-schreienden Adler verlieren übrigens ebenfalls ihre Federn.

 

Ja, wenn es denn so einfach wäre.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en