Chris Wormell:
Georg und der Drache

Aus dem Englischen von Markus Weber

Frankfurt: Moritz 2008

www.moritzverlag.de

ISBN 978-3-89565-197-7
32 Seiten * 12,80 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Auch wenn er den Drachen besiegt, ist dieser ganz und gar nicht heilig und er besiegt ihn auch nicht mit Schwert und Lanze. Dennoch erhält auch dieser Georg seinen verdienten Lohn, den wir ihm von ganzem Herzen gönnen. Georg ist nämlich eine liebe kleine Maus.

gar kein Drachentöter

In der Art der Abzählreime steht der Text unter den Doppelseiten des Querformats in großen Buchstaben: „Weit, weit weg in den hohen, ho en Bergen in einem tiefen, tiefen Tal …“ und beschreibt den unwirtlichen Ort, in dem der gar fürchterliche und mächtige rote Drachen haust. Dann werden seine Größe und seine Fähigkeiten vorgestellt: Burgmauern zum Einsturz bringen, eine ganze Armee hinwegfegen, schnell und hoch fliegen. Kein Wort im Text von der Entführung der schönen blonden Prinzessin, die er auf dem Heimflug mit seiner rechten Vorderklaue umschlingt.

Ein gewaltiges Bild: Der rote Drachen nimmt den Platz über beide Seiten ein, lang gestreckt mit finsterem Blick und angelegten Ohren saust er dahin. Im Hintergrund die aufgewühlten Himmelswolken mit viel Blau und finstere Zeiten verheißend. Rechts tief unten unter seinen Hinterklauen ist der Himmel aufgerissen und gibt die Sicht frei auf eine Burg mit eingerissener Mauer, toten Soldaten auf dem Vorfeld und mit bestimmt einer unglücklichen Königsfamilie. Die Prinzessin selbst blickt zu ihm hoch, zeigt mit dem Zeigefinder nach unten, während sie ansonsten – bis auf die wehenden langen Haare – an eine Puppe erinnert als an einen Menschen.

Der Rest der Geschichte ist leicht erzählt, auch wenn sie sich entscheidend wandelt. Wir erfahren von der Achillesferse des Drachen (er fürchtet sich, man mag diese fast irrwitzige Idee fast gar nicht glauben) vor Mäusen) und sehen ein Exemplar uns mit großen dunklen Augen (Achtung: Babyschema) und sauberem hellbraunem Rücken- sowie weißen Brustfell und tiefem Lichteinfall vor leerer Landschaft. Und, wenn schaut er leicht aufmerksam an, der kleine Mäuserich? Dich, in diesem Fall also mich. Zum Knudeln! Er zieht gerade in die Nebenhöhle ein. Vormieter waren Fledermäuse, also für ihn jetzt etwas unnütz, dass Tisch, Bett und Kommode auf der Decke montiert sind. Die menschlichen Totenköpfe und Knochen auf dem Boden deuten darauf hin, dass auch andere Wesen diese große Höhle schon bewohnten. Egal, man muss sich mit Situationen abfinden. Am besten trinkt man erst einmal ein Tässchen Tee und wartet ab, wie sich die Dinge entwickeln. Oh, es ist kein Zucker da. Da werden wir gleich mal einen Nachbarschaftsbesuch abstatten.

Das anschließende Glück kann unser Georg wohl kaum fassen.

 

Eine wunderbare Idee, solch eine Konstellation (Drache fürchtet sich vor Mäusen) nicht nur zu erfinden, sondern sie auch noch so prima umzusetzen. Da stimmt auch der lateinische Spruch unter dem Wappen am Schluss: „MUS SUPER OMNIA“ (Maus über alles).

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en