Ulf Nilsson & Eva Eriksson:
Als Oma seltsam wurde

Aus dem Schwedischen von Ole Könnecke

Frankfurt: Moritz 2008

www.moritzverlag.de

ISBN 978-3-89565-196-0
32 Seiten * 12,80 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

Donnerstag ist öfter Oma-Tag, den verbringt der sechsjährige Erzähler also im Dorf draußen vor der Stadt. Alles ist wie immer, doch dann wird Oma plötzlich merkwürdig und misstrauisch. Der Kleine hilft, wie es geht, doch „Ich war doch erst sechs!“ Eine (an-)rührende Geschichte mit gutem Ende.

Wer bist du?

Es hilft nichts, dieser Junge ist goldig. Er nimmt die Welt, wie sie sich ihm zeigt, erstaunt zwar, aber er hilft unerschütterlich seiner Großmutter, die offensichtlich und ganz plötzlich nichts mehr weiß: Sie kennt nicht mehr seinen Namen, weiß gar nichts mit ihm anzufangen, bis sie ihm den Namen ihres Sohnes gibt. Sie weiß aber auch nichts vom Bäckerauto und hat ganz unvermutet den Verdacht, dass man ihr ihr Geld wegnehmen will. Auf der Bank ist es nicht sicher. Sie hebt alles ab und trägt es nach Hause. Dort will es wohl richtig und gut versteckt sein – und wieder auffindbar. Dafür wird der Kleine zuständig gemacht.

Das ist alles sehr sicher beobachtet und umgesetzt. Was in solchen Fällen nur hilft, ist unerschütterliche Liebe. Und die zeigt unser Kleiner mit seinem Jägerhut und dem selbst gebastelten Bogen mit den drei Pfeilen. Ulf Nilsson spricht nicht über ein oder von einem Kind, er selbst ist es in diesem Moment des Erzählens, echt und ohne Hintergedanken. Und Eva Eriksson zeichnet wieder („Die besten Beerdigungen der Welt“ sind bei den Lesern allgegenwärtig) mit einfachem Strich und beinahe süßlich, ohne dass sie abgleitet. Wenn „hinterhältig“ einen positiven Wert erhalten könnte, so sind diese Bilder so zu charakterisieren. Oma mit wirrem Haar schlafend auf dem Küchenstuhl, der Kleine leicht besorgt ergreift ihren Arm direkt über der Handwurzel. Genau dort würde er wirklich hinfassen! Oma verwirrt und gar ärgerlich, der Kleine immer noch überrascht, mehr aber noch besorgt. Eine wunderbare Idee, ihm diesen lächerlichen grünen Jägerhut mit der langen Feder á la Robin Hood zu verpassen! Ja, wir lieben sowohl Enkel als auch Großmutter, und wir freuen uns, dass es nur ein Infekt war, der ihr Denken ein bisschen durcheinander brachte.

Aber wir müssen uns auch darauf einstellen, dass es vielleicht irgendwann – und dann vielleicht irreparabel – wieder kommen kann.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en