Johann Wolfgang von Goethe & Lara C. Hannemann:
Reineke Fuchs – Teil 2 –

Nacherzählt für Kinder von Heinrich von Garz

Oldenburg: Desina 2008.

www.desinaverlag.de

ISBN 978-3-940307-06-4.
48 Seiten * 14,90  € * ab 06 Jahre.

 

 

 

 

Sich freiquasseln und unbeschadet daraus hervorgehen? Gibt es, bestimmt. Aber: Sich auf diese Fähigkeit zu verlassen, weil man eben auch mit den Schwächen derjenigen planen kann, die zurzeit die Macht haben, das wird uns hier vorgeführt. Und wir erkennen uns (eventuell) wieder in der Rolle des Aufrechten, der sich vom windigen Fuchs an der Nase herumführen lässt – und es auch noch merkt.

Ränke und Intrige Teil II

Goethes Reineke im Original zu lesen dürfte einige Menschen vor Verständnis-Probleme bringen, denn seine Sprache, über deren Qualität wir überhaupt nicht streiten müssen, ist nicht mehr unbedingt die heutige Sprache, selbst nicht, wenn wir Schriftsprache zugrunde legen. Hier liegt uns eine sehr gelungene Adaption vor, die auch Kinder ab 4 Jahre schon verstehen könnten. Allein der Umfang der Erzählung spricht für ein älteres Ziel-Publikum.
Reineke also, der schlaue Fuchs, erhält nicht nur durch diese Erzählung sein Adjektiv. Er backt keine „kleinen Brötchen“, verteidigt sich nicht. Er macht immer das, was er will. Dabei vertraut er auf seinen Ideenreichtum, der ihn schon aus allen Miseren befreien wird. Außerdem kennt er die Schwachstellen seiner (potenziellen) Gegner. Die größten sind die Gier (des Königs) Überheblichkeit der körperlichen Stärke (des Wolfs).
Was wir nun aus dieser „Fabel“ für uns lernen wollen, was gut ist und was böse, das lassen Goethe wie Garz ein wenig offen. Wir sollen halt auch etwas tun und nicht nur konsumieren.

 

Warum aber ein Bilderbuch aus dieser Geschichte machen? Die Antwort, dass Desina bisher nur Bilderbücher verlegte, reicht natürlich nicht, obwohl der Verlag im Titel weder Nacherzähler noch Illustratorin nennt. Dennoch ist die Gestaltung der Seiten deutlich pro Illustration: Linien, ganzseitige Bilder, kleine Illustrationseinwürfe. Oft werden Seiten – neben dem Text – symmetrisch gestaltet, inklusive der bildlichen Szenen. Die Symmetrie löst sie durch die illustrierte Handlung zum Teil selbst wieder auf: Links das Gebüsch, rechts das vertikal gespiegelte. Links der Dachs als Freund des Fuchses, rechts aber der Wolf, der sich von hinten auf den ahnungslosen Boten Belly (den Schafsbock) stürzt. Oder die Illustration zum Text der einen Seite steht eine Ganzsituation auf der anderen Seite gegenüber, wobei beide sich ergänzen oder karikieren.

 

Lara C. Hannemann zeichnet ihre Szenen statisch. Selbst im Sprung sind die Figuren eingefroren wie in einem Schnappschuss eines Fotoapparates. Die vorherrschende Farbe ist ein helles Braun, das im Hintergrund oder in Details durch ein blasses Blau Unterstützung findet.

15 ganzseitige Bilder steuert sie der Geschichte bei, wo die Tiere entweder auf Schnee bedecktem Boden agieren oder auf karger Landschaft. Selten deutet ein lindes Grün der Blätter darauf hin, dass es – im übertragenen Sinn – auch wieder Frühling werden wird.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en