Malachy Doyle & Angelo Rinaldi:
Pferd

Aus dem Englischen von Julia Waltke

Hildesheim: Gerstenberg 2008.

www.gerstenberg-verlag.de

ISBN 978-3-8369-5193-7.
32 Seiten.
12,90  €

Ab 03 Jahre.

 

 

 

 

Offensichtlich unter Verwendung von Fotos gelingt der Fotorealismus der Bilder – was einfacher klingt, als es herzustellen gilt. Das Weiße im Auge ist erkennbar, man meint, den Atem aus den weichen Nüstern zu spüren, kann der Ader am Kopf der Stute folgen, die ihr gerade geborenes Fohlen ableckt. Ein reduzierter Text, der den Bildern möglichst wenig reinredet.

Mädchen, Fohlen

Ein Jahr vergeht. Das Mädchen ohne Namen – es treten auch keine Erwachsenen auf – kann dem Jährling eine Möhre geben, ihm dann ein Seil und ein Halfter anlegen. Sie schmiegt ihren Kopf an seinen und umarmt seinen riesigen Schädel. So sieht Liebe zu einem Tier aus. Der Hengst spürt sie und lässt das Mädchen geschehen, kennt er sie doch von den Ausritten im Herbst, als sie die Stute ritt und das Fohlen galoppieren musste, um Schritt halten zu können.

Ganz wenige Worte, groß geschrieben und an nicht störender Stelle im Bild eingefügt (die Übersetzung ist nicht erkennbar; offensichtlich wurde hier mit Folien gearbeitet). „Ein Pferd steht allein auf der Weide. / Es ist eine Stute. / Sie wartet.“ Keine Namen, kein Ort. Eine scheinbar unendliche Landschaft mit saftiger Wiese, unterbrochen durch einige Baum- oder Buschgruppen. Dann: „Die Kinder kommen sie besuchen ...“ Auch sie brauchen offensichtlich keine Namen, denn was berichtet wird, könnte überall auf der Welt sein – so suggeriert uns der Text. Die Geburt wird nicht gezeigt, sie wird nicht einmal erwähnt. Da liegt halt an einem Frühlingsabend ein Hengstfohlen im Stall. Vier Doppelseiten lang bleiben Menschen außen vor. Dann wird focussiert auf Mädchen und Hengst – und ein Zukunftsbild.

Vor 5 Jahren erschien bei Gerstenberg von den gleichen Autoren „Kuh“, ganz ähnlich hergestellt und ebenso behutsam betextet. Nun folgt DAS Mädchenthema für eine bestimmte Altersstufe ebenso zeitfrei und ruhig. Es werden keine Abenteuer angeboten, keine Erlebnisse, keine schnellen Bilder.

Ein sehr ruhiges Buch – und ein sehr schönes dazu.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en