Marie-Thérèse Schins & Birte Müller:
Eine Kiste für Opa

Berlin: Aufbau 2008.

www.aufbauverlagsgruppe.de

ISBN 978-3-351-04083-3.
32 Seiten.
16,95  €

Ab 03 Jahre.

 

 

 

 

Der Tod gehört nun mal zum Leben, und wenn man ein bestimmtes Alter erreicht hat, dann muss man sich auch um das Danach kümmern. In diesem Fall sind wir in Ghana und Opa muss sich langsam eine Kiste aussuchen. Das will wohl überlegt sein, denn die Särge in Ghana sind fröhlich und bunt und haben eine Botschaft.

Sargsuche

Knallrot die Buchdeckel-Innenseiten. Liegt hier ein Liebesbuch vor uns? Ganz bestimmt, aber eins der besonderen Art. Oma hat schon ihre Kiste bei Papa Joe bestellt, in der sie ihre letzte Reise antreten wird. Nun sucht Opa Mensah zusammen mit Enkel Kofi eine, die in Form und Farbe und Art zu ihm passt. Kofi findet eine Kiste in Cola-Form gut, aber sein Großvater denkt da eher an Bier. Dort steht eine Kiste in Busform, da könne er Besuchern doch die neue Gegend zeigen! Aber nein, Bus ist Opa noch nie gern gefahren. So geht es weiter in der Geschichte: Kein Fußballschuh, keine Säge, kein Fischerboot und auch kein Krebs. Aber sie finden schon etwas, das zu ihm und seinen Weg passt, der Enkel und sein Großvater. Außerdem hat Kofi akzeptiert, dass diesen Weg Opa Mensah allein „gehen“ muss.

Kurz: Eine tolle Geschichte, von der wir uns eine Scheibe abschneiden können. Leben, Leben, Leben – Tod gehört dazu.

 

Dabei haben wir noch gar nicht von den Bildern gesprochen, für die ein anständiges Adjektiv noch fehlt. Erstaunlicherweise gibt es eine mitteleuropäisch gebildete Person namens Birte Müller, die sich in „naive“ und „direkte“ Denkstrukturen so einleben kann, dass sie solch wunderbare Bilder zeichnen kann.

Dazu schafft sie zunächst je einen Rahmen, der links den Text und rechts die Bildseite umläuft. Wir kennen sie von Teppichen, vor allem Kelims, Kinderarbeit. Und innen drin ein Grundfarbe, auf die einfache Formen aufgebracht sind.
Der wichtigste Teil, Großvater und Enkel, sind immer dabei, sehr naiv und wieder-erkennungs-würdig gestaltet: Dunkelbraune Körper ohne Haare, die Finger kommen direkt aus den Armen. Bekleidet sind die beiden lediglich mit einer kurzen weißen Hose, die mit rotem Muster bedruckt ist. Auffällig ist das (eine) Auge der Seitenansicht, denn es besteht aus einem weißen Ring, viel zu groß für Realismus. Es macht die (beiden) Personen einerseits merkwürdig stumm (obwohl sie doch im Text vielfach sprechen), bezeugt aber durch die Gleichartigkeit auch ihre innere Verbindung.

Als hätte sie nicht genug zu tun mit der Leugnung ihrer Bildung zugunsten der Naivität, bringt Birte Müller auch noch Humor ins Spiel, versteckt eine Schildkröte in einen Fischreigen, zieht einer Figur eine rote Hose an anstatt der üblichen weißen, verpasst einem weißen Huhn eine Art Sattel oder steckt je Paare in den Gegensatz Elefant-Auto, wobei sie auch noch Opa und Enkel in ein und die gleiche kurze Hose steckt.

Das alles ist eher unauffällig, denn die Bilder stehen ganz im Dienst der Geschichte.

 Ein großer Wurf.

…auf der Auswahlliste zum LesePeter Dezember 2008

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en