Hansi:
Mein Dorf – Das Elsass, wie es einstmals war

Aus dem Französischen von Corinna Tramm

Stuttgart: Urachhaus 2008.

www.urachhaus.com

ISBN 978-3-8251-7639-6
40 Seiten * 19,90 € * ab 06 Jahre

 

 

 

 

Einstmals ist ein Wort, das es nur einstmals gab. Sintemalen wäre schon davor gewesen. Das Elsass hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich zwischen Deutschland und Frankreich. Nostalgisch? Ja, auch, aber ohne den negativen Schlag. Wir befinden uns in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Lass sie uns nehmen, wie sie war. Hineinspringen in Bild und Text.

Früher, ja, da war alles

Dies ist die erste Übersetzung eines Buches in französischer Sprache, das Hansi bereits 1913 veröffentlichte.

Elsass-Lothringen, das ist ein Thema, das zwischen Deutschen und Franzosen oft ausgeklammert wird. Zu wirr sind die Argumentationen, zu oft ging es hin und wieder zurück.

Hansi hieß eigentlich Jean-Jacques Waltz, lebte zwischen 1873 und 1951 und zeichnete so, wie es später vor allem nordische Künstler machen sollten. Die Bilder lassen uns auch heute noch nicht los, wir sind sofort gefangen von den Dorf Bildern, in denen sowohl die Häuser wie - vor allem - die Menschen Gruppen bilden.

Auf den linken Seiten begleitet das Bilderbuch ein ausführlicher Text, der aber dennoch mit zusätzlichen Zeichnungen gegliedert, gekürzt wird.

Nehmen wir ein Beispiel: Der Storch war nicht nur im fernen Deutschland (z.B. gab es schulfrei in Orten in Ostpreußen, wenn der erste Storch gesichtet wurde) ein lang ersehnter Bote des Sommers, sondern auch im Elsass. “Wie die Flugzeuge, die aus Frankreich kommen, schwebt sie lange über dem Dorf ...”, wobei mit “sie” die Störchin gemeint ist. Dazu ein Bild mit aufgereihtem Dorfmenschen und einer Störchin, die zu sagen scheint: “Ja gut, in Ordnung, ich weiß, ihr wolltet mich. Jetzt ist es aber auch gut!” Zugleich sieht man von hinten aus der Dachluke eine Bewunderin, im Vordergrund einige Kirschbaumblüten für die Zeit und einen Gendarmen, der nach schauen wird, ob die Zusammenrottung der Menschen nicht gegen die öffentliche Ordnung verstößt.

 

“Lieblich, naiv, freundlich, sauber” sind Adjektive, die für alle Bilder gelten. Wir sehen, dass die „Tracht“ früher wirklich getragen wurde, sogar mit Stolz. Daneben werden Geschichten über Deutschland und / oder Frankreich erzählt, falsch, über Menschen, die so oder so fühlten – und dafür büßen mussten: Fahnenflucht des Mannes, Elend der Familie. Aber: „Elsässer klagen nicht gern, man wird keine mutlosen oder trübseligen Gesichter zu sehen bekommen.“

Genau so zeichnet Hansi wirklich. Stolze Menschen, die sich – auch – hinter ihren Trachten verstecken können.

Aber auch Achtung vor dem Alter kommt vor, Gemeinschaftsgefühl und Hilfe, das erste Auto, das Messti (Dorffest im Herbst) und immer wieder die Begegnung mit der wechselhaften Geschichte: Schlachtfelder werden gebrandmarkt und – trotz Achtung vor den Toten – mit Zukunft belegt.

Die Geschichte endet so, wie die Wirklichkeit wohl ist. Aus der Geschichte gelernt? Ja schon, aber hier ... Und dann kommt heraus, dass aus der Geschichte eben leider nichts oder nur wenig gelernt wurde.

Werden wir es nun besser machen? Hoffnung-.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en