Kurt Schwitters & Carsten Märtin:
Die Geschichte vom Hasen

Oldenburg: Lappan 2008.

www.lappan.de

ISBN 978-3-8303-1136-2
32 Seiten
9,95  €

Ab 03 Jahre

 

 

 

 

Wer „eigentlich“ sagt, kann auch mit „aber“ gleich etwas Gegenteiliges sagen. Kurt Schwitters macht aus seinem „Eigentlich“ einen Reigen, spielt mit dem Unerwarteten, macht aus Wörtern einen Un-Sinn, der im scheinbaren Chaos Strukturen hinterlässt. Carsten Märtin gibt der „Geschichte“ noch eine ganz eigene zusätzliche Note.

eigentlich

Ein Hase, der eigentlich ein Schwein ist, ein Schwan mit Ringelschwanz – Fisch – Nilpferd – Ozeandampfer – Floh – Hase. Um die Ecke laufen lässt der Autor den Hasen – aber auch seine Geschichte, von der er später behaupten wird, dass sie gar keine sei, um im letzten Satz die Geschichte zu beenden. Ein typisches Beispiel von Dada oder der „Merz“-Kunst, dieser speziellen Collage-Form von Kurt Schwitters.

Märtin packt in seinen Bildern den Wortbildern von Schwitters noch (Un-) Gehöriges dazu. Vorne noch Hase mit einem Kopfsprung in die Suhle, dass der Schlamm nur so spritzt, hinten schon Schweinbeine und Ringelschwanz anstatt Tuff. Danach die Sau, deren Kopf noch deutlich Hase ist mit langen Löffeln, mit sieben Ferkeln, alle mit Hasenohren, die sich an den Zitzen gut tun, während der Hase mit großen Augen eher ungläubig uns anguckt: „Ich verstehe das ganze nicht. Du?“ scheint er zu fragen.
Denn nun hat das Schwein auch noch große rote Schwimmflossen an den Vorderbeinen, während aus dem Vorderläufen große Schwingen wurden und aus den Ohren zwei Extrafedern. Zu allem Überfluss bleibt auch noch ein rosa Ringelschwänzchen am Po.
Da staunen auch die drei erwachsenen menschlichen Wesen mit den Fischköpfen. Wir mit.

Zum Schluss dürfen alle Wesen noch einmal zusammen auftreten: Die Wolken formen sie nach. Hat der Hase alles nur geträumt? Jedenfalls hopst er in großem Sprung über die Landschaft, froh wieder Hase zu sein.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en