Carlo Goldoni – nacherzählt von Barbara Kindermann - & Claudia Carls:
Diener zweier Herren

Berlin: Kindermann 2008.

www.kindermannverlag.de

ISBN 978-3-934029-16-3.
36 Seiten.
15,50  €

Ab 06 Jahre.

 

 

 

 

Eine Verwirr-Theater-Geschichte aus Venedig aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Der Diener möchte wohl von zwei Herren zugleich bezahlt werden, erhält aber stattdessen von beiden Schelte und bleibt bei beiden hungrig. Gewonnen hat er aber dennoch, denn wie in jeder anständigen Komödie wird am Ende vielfältig geheiratet.

commedia dell’arte

Auch wenn es sich nicht um eine „Stegreif-Komödie“ handelt, so werden doch viele der stereotypen Figuren der „commedia dell’arte“ aus dem 16. Jahrhundert übernommen. Der Arlecchino (Harlekin), liebenswert, darf sich vieles herausnehmen, traditionell immer hungrig, dient häufiger zwei Herren, um mehr Essen zu erhalten. Die Colombina wird hier von Rosauras Magd gespielt, die Vecchi (eigentlich Alte, aber auch: Adel) sind in Form der Liebenden vertreten, Pantalone und Dottore sind die Eltern eben dieser.

Barbara Kindermann versteht es, die kleinen Verwicklungen, die durch kleine oder größere Lügen entstehen, nachvollziehbar in die Geschichte einzubauen, so dass trotz der Kürzung des Theaterstücks eine lebendige Erzählung bleibt.

Dazu tragen natürlich auch die ausgesprochen bemerkenswerten Zeichnungen von Claudia Carls bei. Kleine Beiläufigkeiten verweisen auf den Ort der Handlung (Venezianische Säulen, fast auf jedem Bild ist eine Gondel mehr oder weniger versteckt, Häuser der Renaissance, Brücken und Kanäle oft im Hintergrund oder Durchbrüchen), andere sind eher traumhaft. Das beginnt mit einem Doppelhaus, auf dem ersten Blick ein Spiegelbild durch Wasser hervorgerufen, aber es ist gar keins und Wasser gibt es auch nicht. Das verwirrt zunächst, schärft aber das Auge für die folgenden Bilder. Da werden (fliegende) Fische vom Balkon aus gefüttert, segelt eine Gondel durch den Himmel, sind Schauspielermasken an den Wänden aufgehängt oder eine norditalienische Landschaft auf dem Dach wie der Text auf einer landfähigen Gondel (Torino - Venezia) verweisen auf Herkunftsorte der handelnden Personen. Die in warmen Farben gehaltenen ganzseitigen Bilder wie die kleinen Auszüge zwischen dem Text sind ausgeprochen auffällig begeistern in ihrer Klar- und „Sauberkeit“.

Kurz:

Text und Bild bilden eine glückliche Einheit, die Kinder ab 12 Jahre bereits erfreuen dürften.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en