Mireille d’Allancé:
Robbi regt sich auf – Robby gets mad

Aus dem Französischen von Markus Weber und
ins Englische von Esther Sarfatti

Frankfurt: Moritz 2008.

www..de

ISBN 978-3-89565-191-5
32 Seiten
11,80  €

Ab 03 Jahre

 

 

 

 

Wenn etwas raus muss, dann muss es eben raus. Robby hat sich so geärgert, dass er nicht mehr freundlich sein kann. Die Wut hat sich so in ihm angestaut, dass sie unbedingt raus will aus ihm. Genau das macht sie, aber die Wut ist ein arg böses Wesen. Eine zweisprachige Geschichte zu beeindruckenden Bildern.

Wüterich

Die Wut will, muss aus Robbi / Robby heraus. Das sieht man schon auf den ersten Bildern, auf denen der kleine Junge in das Haus herein kommt, den kaputten Tennisschläger in der Hand. Dann soll er auch noch seine (dreckigen) Turnschuhe ausziehen und zur Krönung gibt es auch noch Spinat zum Abendbrot. „'Ab in dein Zimmer' sagt sein Vater... 'Ist mir doch egal', brummt Robbi.“ Sein Gesicht ist schon merklich angelaufen. Als es dann rot wird wie eine Tomate, muss der Wüterichgeist heraus, sonst würde Robbi platzen. Und wie groß dieser ist! Fünf oder gar sechs mal so groß wie der Junge, passt gerade so ins Zimmer. Freundlich schaut es (noch) aus, das Wesen, aber es muss gleich das tun, wozu es „geboren“ wurde: Wüten.

Am Ende ist der rote Wutgeist so klein geworden, dass Robbi ihn in eine Kiste stecken kann und aufräumen.

 

Robbis Wüterich ist eine Zwischenfigur von Orang Utan und Wischmob, dazu rot mit wildem Pinselstrich gezeichnet und mit rotem Buntstift nach konturiert. Je länger er wütet, desto wilder auch sein Gesichtsausdruck, bis der Mund fast zu einem Geierschnabel wird und die Finger zu scharfen Krallen. Robbi dagegen war und bleibt uns sympathisch mit seiner kleinen Knollennase und seiner Ernsthaftigkeit über ein Missgeschick. Nachdem ihn die Wut verlassen hat, ist er sogar knuddelfähig, neugierig zuerst, dann erstaunt, dann besorgt und zum Schluss wütend über die Wut. Aber das hier ist anders als das Lamentieren über das allgemein ungerechte Leben. Hier ist es Wut aus Sorge: „Hau ab, du Trottel!“ sagt er dem Wüterich, der seinem Lieblingslaster ein Rad abbrach.

Eine Kleinigkeit am Rande: Es ist der Vater, der in der Küche steht und unseren Robbi empfängt, eine Mutter spielt nicht mit.

 

Bleibt die Zweisprachigkeit. Es gibt nur wenige Bilderbücher, die zweisprachig erschienen sind, und man weiß so recht auch nicht, wozu es gut sein soll. Auf den (großen) englisch-sprachigen Markt zu schielen? Dann wäre der deutsche Text überflüssig. Nein, hier scheint tatsächlich die Zweisprachigkeit, das Aufnehmen des Lautklangs einer fremden Sprache, über die man bald (Grundschule und danach) Genaueres erfahren wird, im Vordergrund zu stehen, auch wenn sich der englische an den deutschen Text anlehnt und nicht an das französische Original. Dort heißt das Wesen „colère“, was mit Grimm, Wut, Ärger, Zorn zu übersetzen wäre, im Deutschen aber heißt es einfach „Ding“, gibt also viel weniger vor, und die englische Übersetzung folgt dieser: „’All right’, says the Thing. ‚We’ll start here.’“ Gut, schaun wir uns das Bilderbuch gleich noch mal an.

 

Ein „geflügeltes“ Wort muss nach diesem Buch Eingang finden: „Nun sei mal jetzt kein Robbi!“ oder: „Mach hier nicht den Robbi!“, denn in Robbis Situation kommen wir alle doch mal. Schön, wenn man dann so wieder herausfindet.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en