Anke Wagner & Heike Herold:
Mamas neuer Freund

Düsseldorf: Sauerländer bei Patmos 2008.

www.patmos.de

ISBN 978-3-7941-5180-6.
32 Seiten.
13,90  €

Ab 03 Jahre.

 

 

 

 

Eher eine Geschichte für „neue Väter“: Wie benimmt man sich, um vom Kind der Freundin akzeptiert zu werden. Aus der Sicht des Kindes (Karli) wird erzählt, und seine Befürchtungen und Erwartung werden positiv enttäuscht. Mamas neuer Freund mischt sich überhaupt nicht ein.

Patchworkfamilie

Was man nicht alles falsch machen kann, wenn man das erste Mal mit dem Kind der neuen Freundin zusammentrifft: Besänftigungsgeschenk – ja oder nein? Das Kind beachten, es ansprechen oder besser einfach gewähren lassen? Werner jedenfalls scheint alles richtig zu machen, indem er nämlich gar nichts macht. Er nimmt weder so noch so Stellung, kommentiert kein Verhalten des Kindes, ist einfach nur da und hilft der Mutter, seiner neuen Freundin. Aber auch hier hält er sich zurück, wir nehmen, obwohl wir mit Karlis Augen schauen, keinerlei Zärtlichkeit zwischen Mama und ihrem Freund wahr. Geduldig wartet Werner auf seine Chance. Die kommt, als Karli sonst niemanden findet, der mit ihm zum Fußballspiel geht.

 

Die Bilder, die Heike Herold zu dieser Geschichte beisteuert, sollen wohl „kindlich“ sein. Das gelingt meist nicht, da Illustratoren längst die „Unschuld verloren“ haben, wertfrei zu malen. So wirken die Bilder leicht, als könne man es nicht besser. Die Personen haben Gummiarme und –beine ohne Ellenbogen oder Knie, die Wohnung ist merkwürdig leer. Ganz im Gegensatz dazu öffnet Herold Räume, lässt uns in das lichtdurchflutete Treppenhaus schauen, nach unten und gleichzeitig durch das Flurfenster nach draußen. Das passt nicht zusammen. Dazu kommt, dass sie die Geschichte mit wenigen eigenen Anteilen einfach bebildert. Das ist ein wenig enttäuschend.

 

So bleibt als Positives die Botschaft, sich ernsthaft um die Kinder der neuen Partner zu kümmern – und zwar auf Augenhöhe. Was die Kinder wohl am meisten fürchten, ist der Versuch der eventuell neuen Familienmitglieder, sich in die Erziehung einzumischen.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en