Peter Schössow:
Baby Dronte

München: Hanser 2008.

www.hanser.de

ISBN 978-3-446-20980-0.
48 Seiten.
14,90  €

Ab 04 Jahre.

 

 

 

 

Dronten (auch Dodo genannt) sind seit über 300 Jahren ausgestorben, heißt es. Und doch findet Kaptein Horatio Lüttich ein Ei. Nur noch ein bisschen Bettwärme – und Baby Dronte ist geboren und Lüttich heißt jetzt Mama. Er verscherbelt die Dronte, um seinen Kutter wieder flott zu kriegen, und das hebt nicht die Laune seiner Mannschaft.

ausgestorben

Es ist schon eine merkwürdige Mannschaft, die seit Jahren auf dem Hamburger Schlepper „Krautsand“ Dienst tut: Horatio Lüttich, Kapitän und Ratte, die Kröte Paul Zasenke ist Smutje und Junge für alles und dem Otter Hans-Ulrich Krittel kann als Maschinist „niemandem das Schmieröl reichen“. Dann setzt Lüttich die Krautsand gegen die Boje und auf Grund. Kein Geld, um die Bergung und Reparatur zu bezahlen. Just da findet er ein Ei, nimmt es mit nach Hause und sein warmes Bett reicht für das Ausbrüten aus. Der merkwürdige Vogel erweist sich den Nachrichten nach als einziges Exemplar von Dronten, jenen merkwürdigen Vögeln aus Mauritius, die seit langer Zeit als ausgestorben gelten. „Mama“ hin und Mama her, die bewundernden Blicke des Kleinen für den Kapitän – alles zählt nicht. Es gibt eine Belohnung – und damit wird die Krautsand wieder flott gemacht.

Doch als die drei das Schicksal von Baby Dronte Auge in Auge sehen, verhallt auch der Ruf „Mama!“ nicht unerwidert. Baby Dronte wird geklaut und wie weiland Vasco da Gama nimmt diesmal der Schlepper Kurs um Afrika Richtung Mauritius. Und da erwartet unsere Freunde eine Überraschung!

Schon nach den ersten Bildern fällt uns nicht mehr auf, dass Schössow keine Meschen „malt“ (er arbeitet im Wesentlichen mit dem Computer). So kann er der (Wasser-) Ratte ein leicht spitzbübisches Aussehen verpassen, auch wenn das Herz letztlich doch auf dem rechten Fleck schlägt, die gemütliche Pfeife oft dabei aber nie an. Zum Beruf des Otters und dem Schmieröl passt gut sein glattes Fell und sein dicker Schnauzbart, auf sogar Heiner Brand neidisch sein könnte. Und das breite Maul wie der leicht „unförmige“ Körper passt auch zu einem Beruf wie „Smutje“.

Schössow erzählt seine schöne Geschichte wieder leicht lakonisch. Die Dinge entwickeln sich wie sie eben tun. Und nur wenn’s ganz schlimm kommt, nimmt wieder einer das Heft in die Hand und führt alle zu einem guten Ende. Die Flächen sind wieder extrem „sauber“, auch wenn Schössow vermehrt Schatten einarbeitet und Licht, womit er den Bildern zugleich Tiefe gibt. Für Kinder zwischen 4 und 12 Jahren gut zu lesen – und dann wieder als Erwachsener. Und wer ein echter Seebär ist, auch wenn er nicht auf Große Fahrt geht, für den ist das Buch erst recht etwas.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en