Tilde Michels & Lilo Fromm:
Karlines Ente

Berlin: Tulipan 2008.

www.tulipan-verlag.de

ISBN 978-3-939944-11-9.
44 Seiten.
xxx,90  €

Ab 03 Jahre.

 

 

 

 

Zu einer Zeit, als die Menschen ihre Abfälle noch durch Einzelpersonen abholen ließen („Lumpen, Eisen, Knochen und Papier ...“), machte diese Arbeit die Lumpen-Karline. Doch die Zeiten ändern sich, und Karline fühlt sich überflüssig. Ein Erst-Lesebuch mit vielen schwarzweißen Strichbildern.

aus der alten Zeit

Am Ende sitzt Karline mit ihrer Ente vor ihrem „Gasthaus zum Ei“ und die schwer zu lesende Tafel (kleine schwarze Schrift auf blauem Grund) zeigt: „Der alte Brauch wird nicht gebrochen, hier können Familien Kaffee kochen.“ So war das früher – müssen schon fast die Ur-Großeltern einspringen, denn die anderen kennen die Zeiten von Korkgeld und Familienwanderungen kaum noch oder nur aus Erzählungen.

Hier liegt denn auch gleich eine der kleinen Fallen des Buches, das einerseits mit der „guten alten Zeit“ spielt, diese aber nicht erklärt, nicht erklären kann. Kohlenofen, Korbkinderwagen, Kahnpartie auf dem See, Sonnenschirm, Menschen mit richtigem Rucksack, Kinder, die sich „einen Mai brachen“.

Die andere Falle scheint mir in der Annahme der Lesefertigkeit für Erstleser zu liegen, für die dieses Buch konzipiert ist (Lesestufe A von den drei ABC-Stufen, ab 6 Jahre). Brennnessel, Huflattich, Gemüsegarten, Trödel, Lumpenhändler, Kochtöpfe sind extrem schwierige Wörter und ein Satz mit Komma und Doppelpunkt und 29 Wörtern, dabei: „durchlöcherte“ und „verbeulte“ und „klapprigen“ sind wirklich nicht angemessen. Dazu kommt, dass die Texte in den Bildern weder leserlich sind noch sich assoziativ erschließen („Duomal / Kraft / Freude / Einfälle“ steht auf einer Dose, die Schilder „Bäckerei“ und „Lumpen“ sind auch für Erwachsene kaum zu entziffern.)

Das ist ziemlich schade, denn durch diese Falsch-Einschätzung wird nicht nur die Geschichte nicht aufgenommen, die Bildbetrachtung fällt wahrscheinlich und leider auch weg. Das haben die Strichbilder mit den wenigen blau gefärbten Stellen nicht verdient. Wie schön könnte man – wenn es sich um ein Bilderbuch handelte – über die Rolle des Schwamms sprechen, der aus dem Ranzen des Jungen hängt und über die Zwille, die er in der Hand hält.

Falsche Einordnung. Als Bilderbuch in etwas größerer Aufmachung – diese Rezension würde ganz sicher viel positiver ausfallen

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en