Heinz Janisch & Annette Roeder:
Hummel Hubert oder die Entdeckung der Zeit

München: Edition Quinto bei Terzio 2008.

www.terzio.de

ISBN 978-3-89835-881-1
50 Seiten
12,90  €

Ab 03 Jahre

 

 

 

 

Wieder einmal hat Heinz Janisch das Thema „Langsamkeit“ in eine kleine Geschichte verpackt. Hier ist es der Hummelsohn, der wegen der permanenten Eile wieder einmal voll „an die Tür geschrummt – und wie“! Jetzt reicht’s ihm. Außerdem gibt es so viel zu entdecken, wenn man sich mehr Zeit lässt.

Langsam

Hummeln, das erfindet Janisch, brummen und summen, brummeln und grummeln, tummeln sich und schummeln, schrummen und hummeln in einer Tour. Das Leben ist hektisch, immer schnell, immer weiter, wir könnten was verpassen. Nicht lange aufhalten, weiter, weiter. So, so, ja, ja, auf, auf, hopp, hopp. Da macht Hubert nicht mehr mit. Seine Flügel, sowieso zu klein für diesen massigen Hummelkörper, sind zerknickt nachdem er voll gegen die Tür flog, nicht mehr ausweichen konnte.

Und er kann seine Eltern überzeugen, dass seine Idee der Langsamkeit eine richtig gute ist. Sie lassen ihn das Tempo bestimmen, und plötzlich werden auch Einzelheiten der Umgebung wahrgenommen: eine Blumenreihe, ein Würfel, eine Katze, ein Ei, eine Feder, ein Lolli.

 

Annette Roeder gestaltet den Text, so dass der Vorleser die Spannung aufnimmt oder den Laut („Dung“ macht es, wenn man gegen eine Tür fliegt). Sie zieht ihre ansonsten sehr sympathischen ungemütlichen Hummeln allerdings an wie Menschen. Die Armbanduhr beim Vater – gut, sie passt zum Thema, aber warum Schlips und Handtäschchen und Turnschuhe? Dass dies eine Geschichte über Menschen ist, wird uns ja schon mit der ersten Seite klar. Wie oft sind wir als Kinder irgendwo gegen gestoßen, haben uns geratscht am tiefen Zweig des Apfelbaums im Garten, haben uns an der Tür geklemmt! So beschränkt sich die Illustratorin auch bei den Aufforderungen auf farbige Flächen mit wilden Linien-Strukturen. Und auch auf den Erzählseiten spart sie Hintergründe und Nebenschauplätze aus, setzt die dicken und unförmigen Hummeln vor einen farbigen Hintergrund. Ein sches Buch, und wir haben es überhaupt nicht eilig, mit dem Vorlesen fertig zu werden. Aber dann gehen wir raus und versuchen mal,  g a n z  langsam zu sein. Ob das gelingt?

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en