Kathrin Schärer:
Die Stadtmaus und die Landmaus

Düsseldorf: Sauerländer bei Patmos 2008.

www.patmos.de

ISBN 978-3-7941-5179-0.
32 Seiten.
13,90  €

Ab 03 Jahre.

 

 

 

 

Landmaus und Stadtmaus, zwei Freundinnen, besuchen einander. Stolz zeigt die eine der anderen die schönen Seiten ihres Lebens. Viele aber rufen in der anderen Furcht hervor. Nur, wenn die beiden allein sein können, fühlen sie sich wohl. Wunderschöne Bilder, wenn die beiden Hand in Hand den Nachthimmel bestaunen oder das erste Kanalschiff am Morgen begrüßen.

Identität und Akzeptanz

Zuerst raus aufs Land. Die kleine hellgraue Stadtmaus kommt angewandert, einen Stock in der Hand. Sie wird bereits sehnsüchtig erwartet, denn die Landmaus möchte ihr gleich die Milch gebende Kuh zeigen, die Stadtmaus aber muss sich gleich erst einmal vor einem herabfallenden Kuhfladen in Sicherheit bringen. Die Schweine sind ihr auch nicht ganz geheuer, der Hahn vertreibt sie vom Hof und die zarten Füße sind nicht auf das Stoppelfeld vorbereitet. Also fast eine Besuchskatastrophe, bis die Landmaus ihr Vorratslager für den Winter zeigt. Die Stadtmaus greift kräftig zu, Landmaus lässt das zu und in der Nacht stehen beide auf dem Hügel in der schwarzen und sternenklaren Nacht, halten sich gegenseitig und genießen Ruhe und Schönheit.

Entsprechendes passiert beim Gegenbesuch: Überall Räder, Lärm, Bewegung und Menschen, Menschen, Menschen. Und ein Hund. Auch hier beinahe ein Desaster, allein die Party in der Unterkunft der über dreißig Stadtmäuse und das Kanalschiff im Morgennebel geben ein versöhnliches Ende.

Jede Maus weiß nun einerseits, wo sie hingehört und andererseits, dass es schön ist, jemanden zu mögen, der so ganz anders ist und es ihm zu gönnen.

Katrin Schärer wählt oft ungewöhnliche Perspektiven, fasst die drei Kleinkatastrophen durch drei Streifen über eine Doppelseite geschickt zusammen und lässt die jeweilige Heim-Maus cool und lässig offensichtliche Gefahren überwinden, ja mit ihnen spielen. Dabei zeichnet sie die Stadtmaus kleiner und heller und beide sehr freundlich. Es ist keinesfalls von Nachteil, dass sie für Bild und Geschichte verantwortlich zeichnet.

 

Sie schreibt in ihrem Nachwort, dass ihre Geschichte eine „sehr alte“ sei, bereits in Fabeln von Aesop oder Horaz auftauchten. Dienten sie damals jedoch dazu, den Menschen das harte und entbehrungsreiche Leben auf dem Land schmackhaft zu machen, so ist ihr Anliegen eher zu erkennen, dass das eigene Leben daheim je einen Wert der akzeptierten Identität hat, das des anderen je mit Toleranz begegnet wird.

Das ist gelungen.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en