Joke van Leeuwen:
Hast du meine Schwester gesehn?

Aus dem Niederländischen von Birgit Göckritz

Hildesheim: Gerstenberg 2008.

www.gerstenberg-verlag.de

ISBN 978-3-8369-5180-7.
o.pag. Seiten.
14,90  €

Ab 03 Jahre.

 

 

 

 

Da hat aber jemand Freude am Verstecken! Joke van Leeuwen erfindet immer neue Figuren oder Personen, die eben nicht die Schwester sind von dem kleinen Jungen, der sie sucht. Die verstärkten Seiten (Pappe) sind zum Teil halbiert, zum Teil lassen sie sich weit öffnen und überraschen ein ums andere mal.

Auf der Suche nach der Schwester

Plötzlich bemerkt der kleine Junge mit der merkwürdigen Frisur (oder ist es ein Hut?), dass seine Schwester nicht da ist. Mit seinem Kuschelhasen macht er sich auf den Weg und fragt beim ersten Mal nach der ersten Eigenschaft seiner Schwester: Sie hat blaue Augen. Der merkwürdige Wurm, der hinter der halben Seite herausragt, erweist sich als großes Lümmelkissen auf dem ein Typ mit blau umrandeten Augen liegt, den Pinsel mit der blauen Farbe noch in der Hand. Nein, „ich habe deine Schwester nicht gesehen.“ So geht es einige Seiten lang, wobei immer mehr Merkmale zur Schwester dazu kommen: Jacke mit Taschen, gelber Hut (sehr witzig! selbst eine kleine Wespe darf sich mit darunter verstecken!), Haarlocken (woher nimmt die Frau nur die Ideen? man schaue sich die Nagezähne der drei an!), Schuhe mit Schnürsenkeln. Letztlich kommt es zu einer Gegenüberstellung (die üblichen Verdächtigen): Leicht findet der Kleine seine Schwester untern den Vieren heraus.

 

Man merkt bei jedem Bild, mit welcher Freude Joke van Leeuwen malt. Sie bleibt oft bei einfachen Formen, gibt allerdings jeder Farbe noch eine andere Nuance. Ins Blau kommen Krakeluren und Grüntöne, im Gelb sieht man deutlich den Ductus des Pinsels, oft sind die Farben übermalt, scheinen aber auch noch durch. Auf den halben Seiten kritzelt sie nach Kinderart mögliche witzige Formen der Wesen, die über die halbe Seite auf dem nächsten ganzen Blatt herausragen. Diese sind dann nah am Irrwitz dargestellt. So malt sie einen Typen mit langem Strumpf, der durch Flicken und Genähtem einem Tierkopf mit langem Hals nicht unähnlich ist, auf seinen Kopf, wobei der Strumpf nur deshalb nicht über seinen ganzen Kopf rutscht, weil zwei enorm abstehende Ohren ihm Halt gewähren, während der Unterkörper des Typen in einem riesigen Schuh (mit Schnürsenkeln) steckt, während er selbst ziemlich dümmlich grinst. Wunderbar!

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en