Lydia Zeller & Monika Maslowska:
Suche Arbeit für Papa

Zürich: Bajazzo 2008.

www.bajazzoverlag.ch

ISBN 978-3-907588-90-1
28 Seiten
13,90  €

Ab 03 Jahre

 

 

 

 

Arbeitslos werden heißt oft auch: Selbstvertrauen verlieren und in Folge daran: Verwahrlosen. Das führt zu häuslichen Konflikten, die die Situation eher verschärfen als sie zu bereinigen. Gut, dass Papa früher anders war und Oskar sich erinnern kann.

With a little help from my friends

Der Vater geht der ganzen Familie auf die Nerven. Er hat aufgegeben, nach einer Arbeit zu suchen, ist mutlos und lässt sich gehen: Bier, Fernsehen, Pantoffeln. Das riecht förmlich nach permanentem Streit innerhalb der Familie. Oskar, der kleine Sohn und Ich-Erzähler, erinnert sich daran, dass die Katze damals auf Grund eines Zettels am Baum wieder gebracht wurde – und er sucht mit einem Zettel, ob nicht jemand einen guten Autofachmann braucht. Papa ist wütend, als er das heraus findet, aber just da klingelt das Telefon: Der erste Kunde ruft an.

So einfach wird’s in Wirklichkeit wohl nicht werden, aber die Botschaft ist klar: Wer aufgibt, der hat schon verloren! Die andere heißt: Die Familie muss den Arbeitslosen unterstützen. Und Papa muss das Buch auch lesen, damit er sich sehen kann:

Struppige Haare und ungepflegte Bartstoppeln, die gut zum Kaktus auf der Fensterbank passen. Der Mund ist permanent nach unten gezogen, die Zeitung vorm Gesicht soll nur verbergen, dass er schläft. „Außer Betrieb“ steht auf dem Zettel, den Oskar mit einer Klammer an Papas Hose knipst.

Maslowska zeichnet Menschen mit langen Nasen, schmalen und übermäßig großen Köpfen im Vergleich zu den schmalen Körpern. Schaut sie zunächst durch ein Fenster von außen hinein, sind wir sodann Teil der Geschichte und leben mit Oskar mit. Vater und Sohn zeichnet sie im ersten Innenbild ganz weit auseinander, er unten links fast eingeschlafen am Tisch, jener ganz oben rechts mit einer kleinen Gießkanne für die Pflanze. Dieser zerfließt im Selbstmitleid, jener kümmert sich – als Kind – um die (stachligen) Pflanzen auf dem Fensterbrett. Weiter entfernt kann man zu Beginn nicht sein. Im Lauf der Geschichte nähern sich die beiden jedoch. Zuerst schläft  der Vater mit der Stofftierkatze im Arm, Oskar liest, aber beide Köpfe auf dem Fußboden sind einander zugewandt. Mutter steht außen vor. Sie saugt den Fußboden. Man sieht ihre Beine und den Staubsauger, näher an Oskar als an ihrem Mann.

Auf diese Art könnte man jedes folgende Bild betrachten, die Lichtkegel, die Körperhaltungen. Und dann saugt am Schluss Papa auch noch den Fußboden, während Oskar mit Mama – zwar noch ganz weit weg, aber immerhin auf dem Weg – zu Papa in großen Schritten hineilen. Sie haben das Buch „Kurse“ in der Hand. Dann folgen nur noch die wieder glückliche Familie und zum Schluss der Fokus auf Papa und Sohn: „Oskar, das … war eine prima Idee!“. Stimmt, findet auch Oskar.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en