Heike Ellermann:
Der durstige Löwe

Oldenburg: Lappan bei Ueberreuter 2008.

www.lappan.de

ISBN 978-3-8303-1133-1.
32 Seiten.
12,95  €

Ab 03 Jahre

 

 

 

 

Moral: Wer nur dem Zeitgeist hinterher hechelt, der kommt zu Nichts. Hier ist es der Löwe, der den Beginn verpasste und nun der Bewegung hinterher läuft. Er kaufte keine Krawatte, erhielt also auch vom Kiosk kein Wasser („Heute: Krawattentag!“). Bevor er sich eine besorgen kann, ist aber schon „Huttag“ – und der Löwe immer etwas zu langsam.

Wer zu spät kommt

Gut, das Titelbild ist stimmig, wenn man die Geschichte kennt. Aber ohne weiteres Wissen ist man eher geneigt, das Buch wieder wegzulegen, nicht aufzuschlagen. Er sieht schon sehr merkwürdig aus, der Löwe, mit albernem Strohhut und blauer Krawatte mit weißen Tupfen. Das ist schade, denn dem Wegleger entgeht eine witzige Geschichte, bei der man den Löwen im Lauf der Zeit eher bedauert als dass man schadenfroh wird.
Kaum hat er sich auch eine Krawatte besorgt, schon ist nicht mehr Krawatten-, sondern Huttag. Schnell zur Giraffe, Hut gekauft, zum Kiosk – zu spät (Brillentag, Schleifentag, Sockentag, Gürteltag ...). Ja, hat das denn niemals ein (glückliches) Ende? Doch, am Ende hat es sich für den Löwen gelohnt, den kratzigen Strohhut zu tragen und die unbequeme Krawatte.

 

Heike Ellermanns „Mal“stil ist geprägt durch Fotos und Collagen, die mit (vor allem weißer) Pastellkreide und halbdurchsichtigem weiße Papier verfremdet werden. Sie beginnt bereits auf dem Vorsatz mit einem Labyrinth (im Gegensatz zu einem Irrgarten führt das Labyrinth zu einem Ziel – es dauert nur „etwas“ länger) und wirft farbige Gegenstände hinein (Hut, Gürtel, Glas, Krawatte usw.). Jetzt, nachdem wir die Geschichte kennen, eröffnen sich diese Hinweise.
Ansonsten kennen wir die „Witze“, die mit „Ein Löwe läuft durch die Wüste…“ beginnen. Woran soll er denken? An das Trinken natürlich, denn in der (Sand-) Wüste gibt es viele (Sand-)Körner zwischen den Rippeln, aber nichts zu trinken. Was zeichnet Ellermann dem Löwen über den Kopf? Eine Kiste mit Wasserflaschen! Und dann entdecken wir, dass das gar kein richtiger Löwe ist und die Giraffe auch nicht! Betrug! Hier sind Stofftiere fotografiert worden und auf das Hintergrundbild geklebt oder auch digital eingefügt worden! Kein Wunder, dass in der Folge die anderen mitspielenden Tiere entsprechend sind: Strauß, Nashorn, Kamel, Flusspferd, Zebra und Elefant.
Besonderen Spaß muss die Illustratorin beim Brillenbild gehabt haben, denn die großen „fetzigen“ Brillen passen keinem der Tiere, hängen schräg übers (Nas-)Horn, verlupen das Gesicht des Kamels oder sind so schwer, dass der Kopf noch mehr gesenkt werden muss. Aber sie hat auch Einsicht: Wer sich so sehr „zum Affen macht“ wie unser Löwe, muss wenigstens zum Schluss zum Ziel gelangen (siehe Labyrinth), auch wenn er beim Genuss einer von 500 Flasche Mineralwasser mit Zitronengeschmack nicht besonders glücklich ausschaut.

Einige Sprüche wörtlich genommen, einige Stofftiere in ihre Heimat transferiert, Verfremdung hier und da – und schon ist ein hintergründiges Bilderbuch für Kinder ab 3 Jahre entstanden.

 

Na ja, ein bisschen mehr Arbeit wird schon drinstecken im Ergebnis, das sich aber nach anfänglichem Bedenken durchaus sehen lassen kann.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en