Franz-Joseph Huainigg & Verena Ballhaus:
Du gehörst zu uns – Geschichte einer Adoption

Wien: Annette Betz bei Ueberreuter 2007.

www.annettebetz.com

ISBN 978-3-219-11323-5.
32 Seiten.
12,95  €.

Ab 03 Jahre

 

 

 

 

An seinem vierten Geburtstag erfährt Thomas, dass seine Eltern ihn lieben wie immer, aber er ist nicht so zu seinen Eltern gekommen, wie das Kind von Tante Claudia kommen wird. Thomas ist adoptiert und weiß nun, wie sie sich "trafen" und "zueinander kamen", seine Eltern und er.

zwei Mütter

Nein, Thomas kommt nicht aus der Fremde, wo Kinder in großer Armut groß werden. Seine „Bauchmutter“ (eine schöne Wortschöpfung) konnte nicht für Thomas sorgen und wollte gern, dass er Eltern bekommt, „die viel Zeit und Kraft haben, die immer für dich da sind“. Seine Eltern konnten kein Kind bekommen, so haben sie sich um eine Adoption beworben.
Thomas erfährt also, dass man auf unterschiedliche Weise zu seinen Eltern kommen kann. Dass die Eltern die Eltern sind, wird zu keinem Zeitpunkt infrage gestellt. Eltern lieben ihr Kind, freuen sich mit ihm, sind zärtlich und behüten es. „Du hast im Schlaf gelächelt, da waren wir die glücklichsten Eltern der Welt.“ Und so kommt es, dass Thomas zwei Geburtstage feiern kann, der Tag seiner Geburt durch die Bauchmutter und den Ankommtag bei seinen Eltern.

 Das Fotoalbum wird zum Schluss ergänzt durch ein Bild, das Thomas selbst gemalt hat, denn es gibt kein Foto von seiner Bauchmutter. Verena Ballhaus zeichnet auch die anderen Bilder des Buches nah an Kinderzeichnungen, malt Vieles nicht aus, deutet eher an, lässt verschobene Perspektiven zu. Der gemütlichen, kuscheligen Ruhe der Eltern mit Thomas setzt sie einen Sturm entgegen, der Vogelkäfig und Lampe in Schwingung bringt und die Krone des Topfbaumes zu einem aufziehenden Gewitter wird. Thomas erfährt, dass er „etwas Besonderes“ sei, die Eltern sagen, dass er nicht im Bauch seiner Mutter groß wurde. Welche Richtung wird durch diese Ankündigung das weitere Leben nehmen? Eine gute, denn bereits im nächsten Bild sind Sturm und Wolken verflogen und die angestaute Spannung macht sich Luft in einer Familie, die sich im Bett vor Vergnügen und Lachen gegenseitig kitzelt. Von da an wird auf zwei Ebenen gemalt: Den Erzählbildern folgen die eingeklebten Fotos, während es zu Hause immer noch gemütlich und liebevoll zugeht.

 Ein schönes Buch über ein wichtiges Thema, das die Liebe zu einem Kind in den Mittelpunkt rückt und die Bauchmutter nicht zur „wahren Mutter“ macht, sie aber auch nicht verschweigt, sondern ihr einen Platz unter ihnen gibt.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en