Lutz Rathenow & Egbert Herfurth:
Ein Eisbär aus Apolda

Leipzig: leiv 2006

www.leiv-verlag.de

ISBN 3-89603-257-7
32 Seiten * 12,90 € * ab 05 Jahre

 

 

 

 

Skurrile Geschichten um Tiere und Märchen, voller Fantasie und mit unerwarteten Wendungen. Damit die Leute sich nicht vor dem kleinen Tiger fürchten, trägt dieser einen großen Tigerkopf (aus Pappmaschee?) über seinem echten. Es klappt! Die geplante Reise des Eisbären vom Titel dagegen gelingt nicht.

ungewöhnliche Wendungen

Die Geschichte vom Eisbären mit Reisewunsch wird im Lauf des Buchs noch zweimal aufgegriffen, die vom Kartoffelkäfer aus Thüringen sogar dreimal. Allen gemein ist, dass sie von Tieren handeln. Einige sind aus Märchen oder Fabeln bekannt. Rathenow setzt deren Kenntnisse voraus, denn sonst kann man das Spielen mit anderen Abläufen und Schlüssen nur bedingt verstehen. Zu einigen Geschichten sind sogar Kenntnisse erforderlich, „die wohl der erwachsene Vorleser mit einbringen muss, wie zum Beispiel die Vermarktung eines „Events“, hier: der Wettlauf zwischen Hase und Igel.
Nicht immer findet der Autor allerdings das rechte Maß, schießt zum Beispiel bei der längsten Erzählung über die sieben Geißlein über ’s Ziel hinaus, so dass er sich am Rand des Absurden bewegt – ein Ort, den (die meisten) Kinder nicht recht besuchen können.

 

Viel weniger mutig als der Text – und somit im Gegensatz zu diesem – sind die Illustrationen dazu. Eine Elefantendame mit gestylten Augenwimpern und Schönheitsfleck, ein Schmetterling, der eine Herz-Kurve flattert, um Liebe anzudeuten – nun ja. Witziger dagegen, dass der Eisbär eine Waffeltüte mit drei Eiskugeln bei sich trägt. Das Titelbild, auf dem viele der Protagonisten an einem runden Tisch versammelt sind, ist aussagekräftig, wenn man die Geschichten kennt. Neugierig auf sie machen sie allerdings nicht.
Die etwas „altbackenen“ Bilder lassen nicht auf den experimentellen und somit für ein Kinderbuch mutigen Text schließen. Das sollte aber Hand in Hand gehen, damit Käufer wie Konsument nicht enttäuscht werden. Insofern ist das Buch als Ganzes nur bedingt zu empfehlen.

 

P.S. In der dritten Eisbärgeschichte wird der Bär auch als „vierter“ bezeichnet. Wahrscheinlich sollen wir uns weitere Geschichten ausdenken…

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en