Komako Sakai:
Es schneit!

Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe.
Frankfurt am Main: Moritz 2006.

ISBN 3-89565-179-6.
32 Seiten.
12,80  €.

Ab 03 Jahre

 

 

 

 

Schnee ist für alle Kinder ein Grund, sofort alles stehen und liegen zu lassen, um hinaus zu laufen zwischen die weißen, sanft fallenden Flocken. Aber Schnee ist auch leise und schluckt fremde Geräusche. Ein wunderbar stilles Buch von einfachen und dennoch starken Gefühlen und ebensolchen Bildern

Schnee und Hasenohren

Auch Hasenkinder lieben Dinosaurier. Aber noch mehr liebe sie es – wie auch Menschenkinder –, wenn Schnee fällt. Dann wollen sie am liebsten sofort nach draußen, die Zunge herausstrecken, den Schnees spüren, und den ersten Schneeball pressen. Aber der kleine Ich-Erzähler darf erst raus auf die Straße der Stadt, wenn es nicht mehr schneit. Und noch mehr: Der Kindergartenbus fährt nicht. Und noch schlimmer: Papas Flugzeug fliegt heute nicht. Papa kommt heute nicht.
Ein kleiner Trost bleibt. Mama ist da, und beide zusammen sind jetzt die einzigen Menschen auf der Welt. Und als es in der Dunkelheit des späten Tags dann noch aufhört zu schneien, da gehen beide hinaus in die Stille, machen viele Stapfen in den Neuschnee, pressen sich eine Menge Schneebälle und bauen einige Figuren, die eher aussehen wie Schnee-Gespenster als wie Schnee-Männer. Morgen wird Papa kommen.

 Komako Sakai arbeitet „unordentlich“. Die Ecken ihrer Bilderseiten sind gerundet, oft wird über den Rahmen „geschmiert“. Das ist sehr sympathisch. Sie zeichnet mit Kohlestift Konturen auf gefärbte Flächen, macht so aus einem schmutzigen Gelb eine lange Kommode, auf der die Schlafmatratze des Hasenkindes liegt, erschafft ein Dinosaurier-Plakat und lässt die langen Ohren schlapp nieder hängen, wenn es die Situation erfordert, und stellt sie steil auf, wenn es vorwärts geht, etwas Neues passieren wird.

Die Texte sind möglichst kurz gehalten, bleiben aber immer außerhalb der Bilder. Die sind nämlich, so unordentlich sie auch erscheinen mögen, sehr durch komponiert. Wichtiges steht - fast - in der Kreuzung der Bild-Diagonalen oder wird erst mit dem zweiten, den suchenden Blick wahrgenommen: Ein kleines Gelb mit einem bisschen Rot auf einem grau-braunem Balkon einer Mietshaus-Landschaft mit dicken Weißtupfen, die viel stärker sind als es Schneeflocken je sein können. Aber wir nehmen sie gern als solche an, damit wir auch bemerken, WIE stark der Schnee fällt.

 Ein starkes Buch, das von zwei Personen in einer Großstadt handelt. Von zwei Hasen wohlgemerkt.
So viele Gefühle.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en