Christen Kold & Johannes Larsen:
Die Geschichte vom kleinen Kätzchen.

Aus dem Dänischen von Dr. Katrin Schumacher.
Hamburg: Hamburger Kinderbuch 2006.

ISBN 3-86631-001-3.
28 Seiten.
xx,90  €.

 

 

 

 

Es wird auch Zeit, dass wir etwas erfahren können, mit welchen Geschichten die Kinder unserer Nachbarstaaten groß wurden. Hier ist Dänemark vertreten, und der (2006) neue Verlag Hamburger Kinderbuch hat „das Kätzchen“ liebevoll aufgelegt und mit Recherchen und Widmungen erweitert. Sehr sehenswerte - und sehr „moderne“ Bilder von J. Larsen!

Zuerst der Bauch

Zuerst zu den Bildern. Acht Ölgemälde fertigte Larsen für das Buch an, dazu einige Holzschnitte und Schwarz-Weiß-Illustrationen. Die Ölgemälde sind Dank einer Schenkung des Künstlers an Freunde auch heute noch über die das Johannes Larsen Museum in Kerteminde, Dänemark, im Original anzuschauen sind. Der Ort selbst ist übrigens auch einen Besuch wert. Oder zwei.
Die Ölbilder zitieren van Gogh, ohne ihn zu imitieren. Wunderbare Begegnungen zwischen Kätzchen und anderen Mäusefängern, werden mit grobem Pinsel oder Spatel strukturiert, werden Muskeln unter der Haut angedeutet, Neugier und Aufmerksamkeit. Ein guter Beobachter und ein Katzenfreund muss Larsen gewesen sein, sonst käme dabei nicht diese Intimität zwischen Betrachter und Bild zustande.

Für unseren durchaus ambivalenten Kreaturenschutz an sich kommt das Fangen einer Maus zwecks Verspeisens schon merkwürdig an, aber die mit- (lesenden) schauenden Kinder sind da meist robuster.
Und da sind wir bei der Geschichte: Das kleine Kätzchen muss nach einem Jahr nun endlich autark werden, denn Mutter Katze wird bald wieder neue Junge werfen. Das Kätzchen kann schon fast alles, nur die Nahrungs-Beschaffung ist noch ein Problem. Sie reduziert sich im Folgenden auf das Fangen von Mäusen.
Die ersten Versuche schlagen fehl, und auf die „Hilfe“ von anderen Mäusefängern kann das Kätzchen gut verzichten. Sagt Mama – und hilft noch mal aus. Dann Ähnliches noch einmal, doch diesmal ist unsere Kleine schon gefestigter und lässt sich vom Fuchs nicht ins Boxhorn jagen. Sie fängt kurz darauf ihre erste Maus. Dann die zweite. Ja, sie kann es. Sie wird überleben. Das muss sie dann aber noch der Mutter mitteilen.
Die Text-Setzung im Buch folgt mit seinen Überschriften entweder den Original-Texten, oder sie gibt von sich aus entwickelnde / pädagogische Hinweise.

 Zusammenfassend: Ganz tolle Ölbilder wie sehr treffende Studien in Schwarz-Weiß und Bleistift sowie eine Geschichte, die sich durchaus auf Menschen übertragen lässt. Erstaunlich für kleine Menschenkinder sollte dann das Alter des Kätzchens sein.
Wie war ich eigentlich, als ich ein Jahr alt war?

Das Bilderbuch ist, wie die meisten guten, natürlich nicht nur für Kinder hergestellt worden. Die Erwachsenen haben – auch wenn sie etwas anderes darin sehen, vielleicht auch den kleinen pädagogischen Finger missbilligen – ihre wahre Freude an den Bildern wie an der einfachen und doch tiefen Geschichte.
Kinder sowieso.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en