Carl Norac & Carll Cneut:
Monster, friss mich nicht!

Aus dem Französischen von Pauline Katz.
St. Pölten: Residenz 2006.

ISBN 3-7017-2014-2.
32 Seiten.
14,90  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

 

 

Alex ist Sohn einer großen (Schweine-) Familie, also Ferkel. Naschhaft ist er und einen großen Appetit hat er. Kaum sind die Teller gefüllt, ist der von Alex schon wieder leer. Aber, das war ihm vorher wohl nicht ganz klar, kleine Schweinchen selbst sind durchaus Futter für andere. Eine wunderbare Parabel über Fressen und Gefressen werden – entsprechend ungewöhnlich ins Bild gebracht.

Noch gerade mal gut gegangen

Die beiden Carl(l)s haben schon mehrmals miteinander gearbeitet und sich dabei gegenseitig zu größeren Leistungen beflügelt. Fangen wir mit dem Illustrator an. Carll Cneut bleibt sich und seinem Stil treu, illustriert aber dennoch deutlich einen Text, eine Geschichte.
Seine zeichnerische Vorliebe liegt offensichtlich im Extrem: Die Füße und Hände sind oft sehr klein und passen scheinbar nicht zur mächtigen Figur. Und er verstärkt diesen Eindruck noch durch Beigaben: Die Mitzieh-Autos sind zwar schon viel zu klein, aber der Zieh-Faden ist noch viel dünner als er sein müsste. Die Bilder nehmen sich somit selbst auch nur den Anflug von Realität.
Dazu gehören auch die kleinen Figuren, die das kleine Ferkel Alex während seines Abenteuers begleiten, und auch die vielmals gegenläufigen Bewegungen auf einer Bildseite – oder der totalen Starre, als nämlich das kleine Monster unseren Alex vor dem Himbeerstrauch einfängt. Da hält die Welt den Atem an. Alles stoppt – jedoch nur für diesen Augenblick. Danach werden wieder diese Gegensätze die Spannung der Bilder ausmachen: Bewegung und Gegenbewegung, Fast-Diagonal-Aufbau mal nach rechts oben, dann wieder nach links oben – und sei er eingeleitet durch ein leicht aufrecht stehender Schwanz aus einem Loch.
Daneben bleibt auch noch Zeit und Raum für kleine Verspieltheiten oder Anzüglichkeiten – und auch der Befriedigung unserer Meinung zu Schweinen und zu Monstern.

 Die Geschichte scheint dagegen einfacher zu sein. Alex benimmt sich wie ein kleines Ferkel, nascht überdies und wird damit auch nicht schlanker. In der großen Familie (man zählt in den Ganz-Sichten bis zu 14 ‚Personen’) ist Alex offensichtlich besonders und steht auch unter der besonderen Aufsicht der Mutter, die ihn wegen seiner Naschsucht maßregelt. Das machen Mütter eben manchmal.
Dass das auch Vorteile haben kann, merkt Alex, als er zwar mehrmals als Gefangener eines Monsters dem sicheren Tod durch seine Pfiffigkeit entkommen kann, aber als es wirklich Ernst wird, kommt ihm die Mutter des Monsters zu Hilfe. Mmh? Wie?

Man muss ja nicht die ganze Geschichte verraten. Ein bisschen Spannung darf bleiben, obwohl das Buch durch die vielen Dinge in den Bildern – man könnte noch seitenweise viele Betrachtungen über einzelne anstellen, deren Aufbau und Einzelheiten, deren Bewegungen und Statiken – noch genug zu bieten hätte.

 Bilder muss man schauen. Diese lohnen viel mehr als nur einen Blick.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en