Jorge Luján & Mandana Sadat:
Sonne im Winter.

Aus dem Spanischen von Susanne Zeller.
Zürich: bohem press 2006.

ISBN 3-85581-440-6.
32 Seiten.
12,80  €.

Ab 03 Jahre

 

 

 

Ein trauriges Buch. Ein Mut machendes Buch. Traurig, aber schön. Ein schlichtes Buch mit schlichten Bildern: Ein kleines Mädchen und eine gefrorene Fensterscheibe. Und eine Mutter. Die, so sagt die Umschlaginnenseite, ging fort. Doch jetzt ist sie da. Wenigstens für einen Moment. Ein schönes Buch.

Kalt und Warm

Ja, da kann man ja heulen! Die Umschlag-Innenseite schafft die Situation mit zwei kleinen Objekten: Rechts unten ein rotes Haus mit Rauch aus dem Schornstein, links außen, fast auf halber Höhe, eine weibliche Person, die nach links oben aus dem Bild läuft. Der Schatten sagt, dass die Frau in Richtung Sonne läuft.
Danach sofort die dunkle Nacht der Stadt am Berg. Bestimmt 50 Autolampen zerschneiden nur schwach in Streifen die Nacht längs der Straße, die Häuser sind aus der schwarzen Übermalung heraus gekratzt. Ein weißer Himmel mit einer gar nicht strahlenden Sonne steht links oben. Dann das Haus des Mädchens und der erste Text: „Heute zeichne ich einen Mond“ – kein Satzzeichen, weil der Satz auf der nächsten Doppelseite weiter geht: „auf dem beschlagenen Fenster.“ Und wir sehen zwar das Mädchen als Ganzes, aber nur einen kleinen Mondsichelausschnitt deutlich. Und die Fingerkuppen, die das Mädchen gegen die Scheibe drückt. Das Kind schaut gar nicht so traurig, hat den Mund sogar leicht nach oben gezogen, aber die Augen sind braune Knöpfe, die Pupillen füllen sie fast völlig aus.
Und dann Perspektiv-Wechsel nach drinnen. Ein dunkler Sichelmond mit einer Schattenfigur. „Plötzlich bist du da, Mama,“ (umblättern) „und kommst zu mir“ (umblättern) „mit großen Schritten.“ Und eine kleine rote weibliche Figur, wir kennen sie von der Umschlaginnenseite, kommt auf einem fast bilddiagonalen Strahl knapp unterhalb einer kalten Sonne zum roten Haus.

 Das vorletzte Bild ähnelt dem des ersten mit den Autos und der Nacht. Hier aber eine Umkehrung von hell und dunkel: Ein kalter dunkler Himmel mit weißen Sternen (oder sind es Schneeflocken) und grauem Schornsteinrauch hinter einer weißen Fläche mit je einfarbigen Autos, die so ungefähr einer Straße folgen – eine völlig unnatürliche Buntheit und ein so dunkler Himmel.
 Und dann das letzte Bild auf der Umschlagseite hinten: Rechts ein rotes Haus. Links nichts. Dafür der gleiche Schatten und Fußstapfen im Schnee von einer erwachsenen Person und – gehüpft – von einem Kind.

 Der eher harmlose Titel verrät nur etwas von Wärme inmitten der Kälte. Aber was hier in diesem Kind vorgeht, das nimmt zunächst den erwachsenen Leser mit. Und nach dem dritten oder vierten Vorlesen beginnen die Kinder ab ca. 3 Jahre an zu fragen. Man sollte nicht so viel selbst sprechen, sondern immer wieder auf die Bilder verweisen. Ja, so mag es gewesen sein. Ja, Mutter und Kind sind wieder zusammen. Ja, vielleicht war Mutter nur kurz weg, ich weiß es auch nicht …

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en