Theodor Storm & Henriette Sauvant:
Der kleine Häwelmann
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Berlin: Aufbau 2006.

ISBN 3-351-04072-5.
32 Seiten.
14,90  €.

Ab 03 Jahre

 

 

 

Häwelmann ist Klassiker: Kleiner Junge namens Häwelmann will nicht schlafen, schafft sich ein Segel, in das er selbst hinein bläst und sein Bett in ein Segelboot verwandelt. Der gute Mond betrachtet es nicht mit Wohlgefallen, er begleitet den Weg. „Mehr, mehr!“ schreit der Junge. Mehr, mehr – rufen wir auch den Bildern zu. Sehr neu gesehen von Henriette Sauvant zwischen Traum und Wirklichkeit.

Mehr, mehr

Eine Geschichte zwischen Traum und Wirklichkeit. Immer wenn das Kind ruft, schuckelt es irgendjemand hin und her. Hier ist es die erste Person, die Mutter, die aber jetzt selbst schon tief und fest schläft. Geruckelt will er werden und geschuckelt. Aber niemand hört ihn. Da muss er also selbst aktiv werden. Und wir folgen ihm zunächst und merken nach und nach, dass wir auch einem Kindertraum folgen. Ja, sicher sogar. Wie sonst könnte der Mond den Kleinen so begleiten, ihn auf einem Strahl durchs Schlüsselloch fahren lassen!

 Während man den Text tatsächlich überlegend begleiten muss, sprechen die Bilder da deutlichere Sprachen. Häwelmanns Bett hat eine Krone. Unser kleiner Prinz, werden die Eltern wohl sagen. Verwöhnt ist er also, sagt das Bild. Ein Wikingerschiff mit geblähtem Segel ziert das Bild auf seiner Wand. Und er selbst, der Kleine, steht am Kopfende sehr gerade, steif fast, hält seinen Stoffhasen am Ohr und sein Kissen in der anderen Hand und schaut gerade nach draußen aus das Bild heraus fast zu uns. Nein, sein Blick trifft uns eher in Brusthöhe. Und während der Text davon spricht, dass der kleine Häwelmann sein Bein ausstreckt und sein Hemdchen als Segel setzt und seinen Atem als Wind, zeigt das Bild ein schlafendes junges menschliches Wesen, das eher einem Mädchen ähnelt, dessen Traumgedanken ein Segelboot (es ist deutlich nicht der Wikinger) von der Wand über sein Bett in eine leicht aufsteigende Diagonale wehen lässt, wobei sich das Segelboot zwischendurch in einen Drei-Schornsteine-Dampfer verwandelt und dann in ein Drei-Segel-Boot. Das ganze findet auch noch statt zwischen einem roten Theater-Vorhang, der nur rechts knapp gerafft ist.
Nun stimmen kurz Text und Bild: Häwelmann dreht eine Runde über die Decke und entfleucht nach draußen durch das Schlüsselloch, um sogleich wieder in eine deutliche Traumbildlandschaft zu fliehen, in der der Mond gar nicht gelb ist, sondern ein Gesicht mit merkwürdig starrem Blick in einem Kreis. So traumhaft ist auch das Sternefallen, wenn nämlich Wal und Löwe und Katze und Skorpion sich im tiefblauen Hintergrund mit den weißen Sternpunkten nach rechts bewegen. Herunterfallen tun sie nicht, im Gegenteil gibt es eine Aufwärtsbewegung durch den kleinen Häwelmann in Richtung Wal, abgelöst nach dem Umblättern von einem bedrohlichen Bild:
Wir stellen uns vor: Das Mondgesicht mit dem bereits oben genannten starren Blick hier auf einer Doppelseite, reduziert auf die Augenpartie. Auf dem Nasenansatz der kleine Häwelmann nach schräg unten, offensichtlich völlig ahnungslos, wo er mit seinem kleinen Bett und dem geblähten Nachthemd segelt.
Das dramatische Ende kennt man wohl noch: „Wenn du und ich nicht gekommen wären und den kleinen Häwelmann in unser Boot genommen hätten…“ Dazu das Bild vom schlafenden Häwelmann im Bug eines (Wikinger-) Bootes vor einem Sonnenaufgangsbild.

Vollkommen gelungen ist die Transponierung der Häwelmann-Geschichte in die Bild-Traum-Geschichte, von Theodor Storm in Henriette Sauvant.
Da hinein passt die Widmung des Buches, die einer Großen der Kinder- und Jugendbuchliteratur gilt: Ute Blaich. Es ist schön, sich in einer schnell-lebenden Welt eines Menschen zu erinnern, der Entwicklungen förderten. Auch wenn Ute Blaich der Betrachtung, also der Langsamkeit diente, oder vielleicht gerade deswegen.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en