Christine Nöstlinger & Thomas M. Müller:
Leon Pirat.

Weinheim: Beltz 2006.

ISBN 3-407-79352-2.
32 Seiten.
xx,90  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

 

Ein Outing-Mutmach-Buch: Der Großvater war Piratenkapitän, der Vater ist Piratenkapitän, der Sohn möchte Piratenkoch werden. Darf er natürlich nicht, jedenfalls nicht gleich. Erst müssen der Dicke, der Lange und der Kurze irgendwie von Bord, bis der Hunger des Kapitäns so groß wird, dass nur ein richtiger Koch ihn stillen kann. Also: Ein Koch im Kapitänsrang.

Koch

Ein Text-Buch im Bilderbuch-Format. Wir haben ein sehr merkwürdiges Piratenbuch, denn auf dem Schiff gibt es zwar einen Kapitän, kurz darauf seinen Sohn, sowie drei weitere Piraten: Den Langen, den Dicken, den Kurzen. Aber ein anderes Schiff haben sie schon ganz lange nicht geentert, denn die Fischerboote lohnen sich nicht und andere kommen hier nicht vorbei. Es gibt überhaupt nur eine Aufgabe, nämlich das gesunkene Schiff vor einer kleinen unbekannten Insel zu finden, dessen Mast noch gerade eben so aus dem Wasser heraus schaut. Leons Urgroßvater wusste, dass dieses Schiff eine große Kiste mit Gold beherbergt. Das ist nun wirklich etwas für Piraten.
Als Leon länger wird als ein Meter, darf er mit an Bord. Nun wird Mama nur noch ein Mal im Monat besucht, um frischen Proviant zu holen, denn Leons Papa ist ein rechter Vielfraß. Leon möchte gern Koch in der Kombüse werden, aber der Koch macht ihm klar, dass das den Vater von Leon wohl vor Gram umbringen würde. Die Tradition heißt: Kapitän zu sein. Also übt Leon für das eine, ohne das andere ganz zu lassen. Und nachdem nacheinander verschiedene Unglücke zuerst den Dicken (den Koch), dann - kurz nach vergeblichen Versuchen, den Koch in der Kombüse zu ersetzen - den Langen und später den Kurzen von Bord spülen und der Versuch des Kapitäns sich als Koch zu betätigen kläglich scheitert, kommt die große Stunde von Leon. Er wird der erste Koch im Kapitänsrang!
Dass ausgerechnet das berühmte Piraten-Nasebeißen Schuld hat daran, dass die Suche nach dem versunkenen Schiff noch (lange) weiter gehen wird,

Der schönen Geschichte mit dem vielen Augenzwinkern von Christine Nöstlinger setzt Thomas M. Müller fast karikaturhafte Personen entgegen. Der Hund darf ebenso mitspielen und Unfug machen wie der Papagei; Furcht erregend sieht nur der Koch aus, aber auch nur, weil er ein (Koch-) Messer in der Hand hat. Der Kleine mit der typischen Augenklappe putzt bis zu seinem Ausfall ununterbrochen den kleinen Zweimaster mit seiner merkwürdigen Besegelung. Der Lange ist typisch Comic mit seinem langen Schritt und seiner Frisurwelle. Keine Figur ist für sich allein sympathisch, sondern sie wird es erst durch den Fortlauf der Geschichte. Jeder über Bord gehende erhält zumindest im Nebensatz eine eigenständige Fortführung seines Lebens.
Hier werden Nebenfiguren also nicht lieblos verabschiedet um des schnöden Fortgangs willen, sondern jede Figur wird liebevoll für sich behandelt und erhält eine eigene Geschichte, auch wenn Mama hier ein bisschen zu kurz kommt als Ort, wo man Essen-Nachschub erhält. Aber da für die Geschichte eine Frau verantwortlich zeichnet, nehmen wir es so, wie sie es schrieb.

Eine schöne Piraten-Geschichte, in der ein kleiner Junge im Mittelpunkt steht, der sich seiner Verantwortung gegenüber der Familie sehr wohl bewusst ist, aber dennoch vorsorglich auch (!) das lernt, was seiner inneren Berufung entspricht. Zum Schluss kommt beides zusammen – das glückliche Ende ist auf dem Titelbild bereits erahnbar.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en