Daniela Bunge:
Schneetreiben.

Kiel: Minedition 2006.

ISBN 3-86566-045-2.
32 Seiten.
14,90  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

 

Allein die Aufmachung verdient Bemerkung: Wer so liebevoll das Buch mit zwei verschieden farbigen, toll zueinander passenden Bändern verschließen lässt, der weiß, was sich darin verbirgt. Eine Art Lieblingsbuch kann es sein, vielleicht. Dabei dreht es sich um die Trennung von Oma und Opa!

Oma, Opa und ich

Man kennt Geschichten von Scheidungskindern, aber hier ist ein Schritt dazwischen: Eine Geschichte von einem Scheidungs-Enkel, na gut, Trennungs-Enkel. Die Ich-Erzählerin ist hin und her. Auf dem einen Bild ist sie in Rot gehüllt, auf dem anderen in Blau. Die erste Farbe steht für Opa, die andere für Oma. Das sieht man schon auf dem Titelbild. Da laufen die beiden nämlich Schlittschuh, beide in ihren Farben angezogen und – obwohl sie in gegensätzliche Richtungen schauen und auch dorthin die Arme werfen – ziemlich verliebt ineinander. Wer’s nicht gleich so sieht: Genau zwischen den beiden umarmen sich zwei schwarze Vögel und wärmen sich gegenseitig auf dem Eis. Mh.
Dabei sind weder Geschichte noch Buch an sich „süß“. Es beginnt mit den Worten „Jedes Wochenende besuchte ich meine Großeltern“ und dem Schock, dass Opa allein vor der Haustür steht und so etwas wie verreisen will. Die beiden schon etwas älteren Menschen haben festgestellt, dass sie nicht zusammen passen. Der eine mag Blau, der andere Rot. Der eine möchte an die See verreisen, der andere in die Berge. Aber das Leben, das doch endlich die eigenen Wünsche erfüllen könnte, ist plötzlich öd und leer. Der Schokoladenpudding schmeckt nicht (und das liegt nicht nur an der Versalzung durch die Tränen), der Bergurlauber macht Schwimmübungen, falls er doch mal ans Meer fährt, Oma schaut sich ein Fußballspiel im Fernsehen an.
Da muss halt Hilfe von außen her. Die Enkelin nimmt das in die Hand. Zwei Briefe geschrieben, Termin gesetzt, zwei Schals (rot-blau geringelt) gestrickt, heimlich vor zwei Türen gelegt – und die ganze Sache aus der Ferne beobachtet. Das wärmt das Herz.

 Daniela Bunge illustriert ihre selbst erzählte Geschichte. Sie malt in leicht verquerer Perspektive. Ihre langen Schals gliedern schon mal eine Seite und oft ist ein „Bonbon“ mit drin in den Bildern: Die Katze hält einen großen Fisch im Arm, der allerdings nicht sehr glücklich dreinschaut. / Der Stoff-Esel darf fast überall dabei sein. / Eine Frau fährt ihren Hund im Kinderwagen und ein Mann trägt seinen Vogel im Käfig spazieren. / Zwei Kakteen strecken ihre Arme weit aus. / Die mehr oder weniger versteckte Uhr läuft im Lauf der Geschichte immer weiter – und als sie wieder 4 Uhr anzeigt, sitzt Oma auf dem Schoß von Opa und beide schauen sich tief in die Augen.
Na, das ging ja gerade noch mal gut.

 Ein ungewöhnliches Thema, obwohl es doch (leider) sehr nahe liegt. Aber, da die Enkelkinder heute oft nicht in der Nähe der Großeltern groß werden, auch wieder nicht. Welches Kind besucht Oma und Opa an jedem Wochenende und hätte die Gelegenheit, bei einer bevorstehenden echten Trennung oder gar drohender Scheidung einzugreifen?
Aber wir können es uns jedenfalls vorstellen.
Schön, dass das Kind seine Großeltern „auf den Topf“ gesetzt hat. Sonst ist das ja eher umgekehrt.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en