Olga Dugina & Arnica Esterl (Nach-Erzählerin):
Die schönsten Märchen aus 1001 Nacht.

Essslingen: Esslinger (Atelier) 2006.

 

ISBN 3-480-20604-2.
88 Seiten.
18,90  €.

Ab 06 Jahre

 

 

 

Damit es nicht zur Katastrophe kommt, gibt es eine Übereinkunft. So lange Schehrasade erzählt, so lange bleibt sie am Leben. Und sie erzählt von Ali Baba, vom fliegenden Zauberpferd und vom Ochsen und dem Esel – Tausend und eine Nacht lang - in dieser Fassung sind es allerdings nur drei sehr schön (nach-) erzählte Geschichten. Opulente Ausstattung!

Wie schön kann man malen?

Halbleinen, Leseband, Hausbuch-Format = mit sehr viel Liebe auch für das Detail hergestellt und bereits beim schnellen Blättern bleiben die kurzen Blicke bei den vielen offensichtlich wunderbaren Bildern hängen. Natürlich, die Geschichten aus 1001 Nacht sind nicht ganz neu. Wenn man sie wieder auflegt, muss es sich entweder um neue Bilder handeln oder um eine neue Übersetzung. Hier treffen wir beides.
Abseits der Rahmenhandlung bleiben nur drei Geschichten, die Schehrasade dem Sultan erzählt. Da diese aber mit derart wunderbaren Illustrationen einher kommen, ist er diesmal wohl sehr frühzeitig bereit, das Leben der Erzählerin zu schonen und sie stattdessen zur Gemahlin zu nehmen. (Auch hier wird leider wie so oft nicht erwähnt, ob das auch ihr Ziel war.)

Olga Duginas Bilder zu beschreiben, hieße, Eulen in Athen hoch zu heben. Sie schafft scheinbar sehr leicht die Verbindungen zwischen Mensch und Tier, zwischen Sieger und Unterlegenem, zwischen der Erzählerin und dem Zuhörer. Jeder Seite schafft sie ein besonderes Zählzeichen, die Bilder wie die immer wieder eingestreute Ornamentik ist derart präsent, dass man fast vergisst, auf die extreme Genauigkeit der Bilder einzugehen. Sie verbindet die Technik der Ikonographie mit einer ganz eigenen Zusetzung, arbeitet sehr realistisch und verzichtet auf Hintergründe, setzt Personen mit wenigem Hinter- oder Untergrund in den Text und vergisst nicht – wenn nötig – den Hintergrund extrem genau auszugestalten.

Das Schwärmen ob der vielen, vielen Bilder mag kein Ende nehmen. Der Text aber verdient mehr als eine Anmerkung, denn er erzählt auf eine neue Art Kennern durchaus bekannte Geschichten, so dass auch Kinder ab vielleicht 12 Jahren davon im Selbst-Lesen sich gern gefangen nehmen lassen.
Ansonsten muss wohl vorgelesen werden, was auch überhaupt kein Problem sein dürfte. Man versuche es nur bei den eigenen Kindern / Enkelkindern.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en