Johann Wolfgang von Goethe & Sabine Wilharm:
Der Zauberlehrling.

Berlin: Kindermann 2006.

ISBN 3-934029-25-6.
24 Seiten.
14,50  €.

Ab 06 Jahre.

 

 

 

209 Jahre alt (*1797) und immer noch voller Leben! Goethe schrieb eine herrliche Ballade, die Sabine Wilharm mit Elementen des Comics in eben solche Bilder setzt. Toll für „Bilderbuch-Kinder“, toll für „Balladen-Kinder“. Für Erwachsene sowieso.

Die Geister, die ich rief

Kaum ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.

Hier ist es der Zaubermeister, der von dannen eilt, worauf der Lehrling sich als Herr im Haus fühlt. Das sieht man bereits auf dem ersten Bild, auf dem ein schmaler Junge einen riesigen Schatten wirft (falsche Fährte! Es sieht nur so aus, als wäre es so, denn es ist der lange Schatten des eilenden Meisters – sehr geschickt gemacht, Frau Wilharm, mit dem Schatten des Schriftzugs auf den Leim zu schicken). Sogleich schickt er mit den Worten des Meisters den Besen, um Wasser zu holen, was dieser auch sogleich tut. Doch, wie hält man ihn wieder an? Die Worte fallen dem Lehrling partout nicht ein. Da hilft nur die Axt! Doch vom Regen in die Traufe: Zwei Besen befolgen nun seinen Wunsch, den er doch bitte sehr nie ausgesprochen haben möge!

Der Meister kommt, befiehlt de(m)n Besen sofortiges Aufhören. Kein böses Wort an den Lehrling. Der hatte seine Lektion schon erhalten.

 Wilharm setzt schräge Perspektiven aneinander, verschiebt Bilder, die doch ineinander übergehen, zeichnet die Besen als menschliche Wesen, die von innerem Fluch getrieben scheinen. Die anderen „Wesen“ im Haus des Meisters ahnen wohl bereits zu Beginn der Ballade, dass das nicht gut gehen wird. Gezeichnet sind Hund im Kanarienkäfig, menschliches Bein mit Gesicht statt Knie, Rabenskelett mit einem Bein, kleine Teufelchen. So wie die Geschichte an Tempo zunimmt, so auch die Struktur der Bilder bis zum Entschluss des Lehrlings, dem Treiben mit der Axt ein Ende zu bereiten. Wilde Entschlossenheit in seinem Blick. Doch wie ungläubig sein Blick, als er erkennt, dass er die Lage nur verschlimmerte.

Den Meister zeichnet sie als lächerliche Gestalt: Zu dünne Beine, zu kurz, Schultütenhut und F-J-Strauß-Hals. Dazu kleiner Kneifer und buschige Augenbrauen, kugelförmiger Körper, spannende Hosenträger.

Man ist halt nicht jemand, nur weil man so aussieht, als wäre man einer. Manchmal ist es umgekehrt.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en