Björk Bjarkadóttir:
Mama ist die Allerbeste.

Aus dem Isländischen von xxx.

Wien: Picus 2006.

ISBN 3-85452-891-4.
32 Seiten.
12,90  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

 

Auch in Island träumen die Kinder also von Tigern, Elefanten, Kängurus. Auch in Island können Mütter mit ungewöhnlich dickem Bauch ihre kleinen Zweijährigen nicht mehr richtig kuscheln. Kein Wunder, dass sich der kleine Tommi eine neue Mutter wünscht. Aber alle Tiere, die ihm so als Mutter-Ersatz einfallen, haben erhebliche Nachteile …

Jedes Tier eine spezielle Mutter

Tommi liebt es, mit seiner Mutter zu kuscheln. Er sitzt oft auf ihrem Schoß oder zwischen ihren Beinen, und Mama liest ihm ein (Bilder-) Buch vor. Doch irgendwann geht das nicht mehr so richtig, denn Mutters Bauch ist extrem angeschwollen. Tommi versteht das nicht und beschließt, sich eine neue Mutter zu suchen.
Ihm fallen jede Menge Tiere als Ersatzmutter ein: Tiger, Elefant, Krokodil, Kuh, Fisch, Pinguin, Vogel, Känguru, ja, selbst ein Drachen. Aber kein Tier kann natürlich SIE auch nur ansatzweise ersetzen. Gut, dass sich die Sache sehr bald biologisch löst. Erstens hat Mutter keinen prallen Bauch mehr, zweitens gibt es auch noch einen kleinen Bruder. Was das allerdings bedeutet, wird bestimmt ein Folgebuch beleuchten.

 Björk Bjarkadóttir schrieb nicht nur, sie zeichnet sie auch. Wenn Text und Illustration in einer Hand sind, wird oft die gleiche Geschichte doppelt erzählt, wenn auch auf anderem Niveau. Ihrem recht geradlinigen Text setzt sie schräge Bilder entgegen. Die Gesichter sind diagonal in einem quadratischen Grund, Schwingungen von Haaren, Tentakel oder Feuerstöße folgen der griechischen Mäandertechniken, ein Iglu darf ausschauen wie ein Pinguin, Personen schief durch die Gegend gehen wie ein betrunkener Seemann und ein Krokodil hat rot gelackte „Finger“nägel und trägt Armreifen. Das ist schrill und fordert eine Stellungnahme des Betrachters ein.
Bjarkadóttir übertreibt das ein wenig, wenn sie das Maul des Elefanten ob der besseren Einsicht an andere Stelle verschiebt und mit Lippenstift versieht. Da dürfen dann auch gleich 5 Zehnägel an jedem Fuß sichtbar sein (Wie viele hat eigentlich ein Elefant? Wie viele sind unsichtbar auf der anderen Seite?)

Tommi ist bildlich keine wirkliche Identifikationsfigur, was inhaltlich auch kein Problem sein dürfte. Wichtig sind die Buchdeckel-Innenseiten, denn die sind im Ganzen in Rottönen gehalten und zeigen zwischen je zwei Querlinien ganz viele Herzen. Tommi begreift, dass seine Mutter ihn die ganze Zeit über lieb hatte. Und noch wichtiger: Er begreift, dass er nicht nur SEINE Mutter ganz lieb hat, sondern auch noch „den Bauch“, nämlich seinen kleinen Bruder.

Bestimmt wird er mit dem noch eine Menge Freude haben. Er wäre da nicht der erste.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en