Brüder Grimm & Lisbeth Zwerger:
Die Bremer Stadtmusikanten.

Kiel: Minedition 2006.

ISBN 3-86566-042-8.
32 Seiten.
14,90  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

 

Der wunderbaren „alten“ Sprache der Brüder Grimm, die in ebensolchem Schrifttyp gedruckt ist, setzt Lisbeth Zwerger traumhafte Bilder gegenüber, die weit über eine bloße „Illustration“ des Textes hinausgehen. Gerahmt würden sie sich in vielen Räumen ausgesprochen gut machen.

Altes Eisen - Gnadenbrot

Die Geschichte dürfte bekannt sein: Esel, Hund, Katze und Hahn gehören zum „alten Eisen“ und dürfen nicht auf Gnadenbrot hoffen. Die drei anderen schließen sich dem Esel an, damit sie als Stadtmusikanten in Bremen ihr Auskommen haben werden. Unterwegs führt ihr „Gesang“ allerdings dazu, dass die Räuber Reißaus nehmen und ihnen das Haus samt Essen überlassen. Der Versuch, es zurück zu erobern, scheitert kläglich. Die vier Musikanten bleiben dort. „Und der das zuletzt erzählt hat, dem ist der Mund noch warm.“

Lisbeth Zwerger gibt jedem Tier zunächst eine eigene Seite – nicht ohne irgendetwas Kleines, Traumhaftes im oberen Bereich der einfarbig gestalteten Fläche ohne Horizont einzufügen. Beim Esel ist es ein Bett, in welchem dieser liegt. Hund wie Katze begleiten u.a. eine „Strecke“ (wie der Jäger wohl sagt), den Hahn seine Fruchtbarkeit, die Sonne, die er täglich ankündigt – und die Köchin mit blutbefleckter Schürze und einem Kochtopf.

Links, in die gerahmte Textseite, unten in die Ecke, setzt sie ebenfalls je eins der Tiere. Alle sind müde, kaputt von der Last der Arbeit und der Zeit. Ganz anders die vier bei der Besprechung, in welcher Reihenfolge sie sich aufeinander aufbauen wollen, damit die Musik (Laute, Pauke, Nachtmusik und Gesang) auch gut zur Geltung kommen. Wie ein riesiges Gespenst sehen sie frontal aus! Und ganz anders sehen sie – obwohl auch jetzt vor sich hin dösend – aus, nachdem sie vom Mahl der Räuber am Tisch einschliefen.

Zwerger zeichnet mit extrem feinem Stift auf ihren Aquarellen Konturen und Schatten, und sie lässt extrem viel Raum, der sich trotz der oftmals flächigen Darstellung im Auge dreidimensional einstellt. Und zum Schluss stellt sie den Hausbewohnern auch noch drei Musik-Instrumente in den Garten: zwölfsaitige Laute, Blechtrommel, Akkordeon mit zwei Oktaven und acht Bassknöpfen.

Ob sie jemals benutzt werden?

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en